Burger vom Bot?

In den USA kocht gerade wieder die Diskussion um Roboter hoch, die Menschen ihre Jobs wegnehmen werden. Diesmal in Fastfood-Restaurants.

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Der ehemalige Geschäftsführer von McDonalds, Ed Renzi, hat eine Mission. Er will die Erhöhung des Mindestlohns in den USA auf 15 Dollar pro Stunde unbedingt stoppen. Um die öffentliche Meinung in dieser Frage doch noch zu kippen, griff Renzi nun gegenüber dem Nachrichtensender Fox News zu einem ohnehin recht aktuellen Horror-Szenario: Der drohenden zweiten Welle der Automatisierung – aka "Roboter nehmen uns alle Jobs weg".

Es wäre doch ökonomisch sehr viel sinnvoller, erklärte Renzi, für 35.000 Dollar einen Roboterarm zu kaufen, statt einem ineffizienten Angestellten 30.000 Dollar pro Jahr zu zahlen, damit er Fritten in Tüten packt. Burger vom Bot. Wer mitbekommen hat, was die Automatisierung aus der einst stolzen US-Autoindustrie gemacht hat, dem muss bei solch einer Vision der Schreck in die Glieder fahren.

Kollegen, wie der Chef der Junkfood-Kette Carl's junior und Hardee's, Andy Putzer, sprangen ihm sogleich bei: Roboter wären niemals müde oder schlecht gelaunt, und würden keinen Urlaub nehmen. Und gerade die jüngere Generation, die Millenials, würden ein automatisiertes Schnellrestaurant ohne soziale Interaktion bevorzugen.

Dass Putzer damit gar nicht mal so unrecht haben könnte, zeigt der Hype um Eatsa. Das Start-up hat in San Francisco und Los Angeles zwei futuristische Läden an den Start gebracht, in denen es weder Kellner, noch Kassierer, geschweige denn Warteschlangen gibt. An den Wänden der überwiegend in weiß gehaltenen Schnellrestaurants finder der Kunde stattdessen mit Kredikartenlesern aufgerüstete – selbstverständlich angeschlossene – iPads zur Bestellung. Das Essen erscheint dann wenige Minuten später in einer der transparenten Boxen mit Displays im Deckel – ein bisschen wie von Zauberhand, denn das Display wird für die eigentliche Beladung schwarz geschaltet.

Das automatisierte Restaurant ist allerdings eine Mogelpackung. Denn zum einen ist die Speisekarte des auf Quinoa spezialisierten Restaurants recht kurz. Zum anderen hat Eatsa gegenüber dem Guardian zugegeben, dass es sehr wohl noch immer menschliche Arbeiter beschäftigt – allerdings nur noch hinter der glitzernden Hightech-Fassade.

Und auch die Drohung von Renzi ist ein Bluff: Seit 2009 versucht beispielsweise das hochgelobte Start-up Momentum Machines einen vollautomatischen Burger-Roboter zu entwickeln. Bis jetzt noch ohne Erfolg.

Denn auch wenn lustige Figuren wie Pepper von Aldebaran, der neuste Prototyp von Boston Dynamics, oder kollaborative Roboter wie Baxter und der Leichtbauroboter Franka große Fortschritte darstellen, ist Fritten einpacken für Roboter nicht so einfach, wie Renzi sich das vorstellt. Die Manipulation von flexiblen, nicht genormten Teilen, die noch dazu heiß und fettig sind – und die vielleicht gar unmittelbar Hand in Hand mit Menschen erfolgt –, gehört zu den noch immer nicht vollständig gelösten Problemen der Robotik.

Sicher, das wird nicht immer so bleiben. Aber bis man einen Burger-Brater durch einen Roboter ersetzen kann, wird es noch einige Jahre dauern. Und ich bin sicher, dass so eine Maschine – zumindest zu Anfang – mehr als 35.000 Dollar kosten wird. Eine ganze Menge mehr. Das weiß natürlich auch Renzi. Aber mit solchen Fakten kann man keine Politik machen.

Fun Fact: Die zweite Welle der Automatisierung wird wahrscheinlich gar nicht schwerpunktmäßig bei der niedrig bezahlten Handarbeit ansetzen, sondern bei einfachen geistigen Tätigkeiten. Zum Beispiel im Management. Vielleicht ist die Idee doch gar nicht so schlecht. (wst)