Autonome Fahrzeuge im Konvoi: Elrob, die Leistungsschau der Militärroboter
In dieser Woche findet die Roboterleistungsschau Elrob statt. Autonome Militärfahrzeuge sollen sich in realistischen Szenarien durch Gelände bewegen. Da passt es, dass ein Wetterwechsel ansteht und somit für "unterschiedliche Anforderungen" gesorgt ist.
Das Folgefahrzeug des Teams Smart Military Vehicles
(Bild: Hans-Arthur Marsiske)
In Eggendorf bei Wiener Neustadt haben die Wettbewerbe der diesjährigen Roboterleistungsschau Elrob begonnen. Am ersten Tag der Veranstaltung auf dem Katastrophenübungsgelände Tritolwerk des Österreichischen Bundesheeres stand das Fahren unbemannter Fahrzeuge im Konvoi auf dem Programm. Bis Donnerstag folgen noch die Erkundung eines Gebäudes, Transportaufgaben sowie die Suche und Bergung von Verletzten.
Leistungsstand der Robotik
Hervorgegangen ist die Elrob (European Land Robot Trial) aus einem Nato-Workshop zu Militärrobotern im September 2004, der in einem White Paper Entwicklungsdefizite identifizierte und vorschlug, den Leistungsstand der Robotik im Rahmen eines Wettbewerbs genauer zu identifizieren. Das Besondere daran: Es werden realistische Aufgaben gestellt, in realem Gelände, die militärischen Einsatzszenarien entsprechen.
Der Juryleiter Henrik Christensen (Georgia Institute of Technology) zeigte sich denn auch recht erfreut über das Wetter am Eröffnungstag. Die Worte von Brigadier Michael Janisch, Leiter des Amtes für Rüstung und Wehrtechnik (ARWT), der sich bei den Teilnehmern für den Regen entschuldigte, wollte er so nicht stehen lassen. „Es ist gut, dass es regnet“, sagte Christensen. „Bei Militäreinsätzen kann man sich das Wetter ja auch nicht aussuchen.“ Da für die kommenden Tage sonniges Wetter mit Temperaturen bis 30 Grad Celsius erwartet werden, sei für eine breite Palette unterschiedlicher Anforderungen gesorgt.
Autonomie gefordert
Der Regen, der im Laufe des ersten Tages nachließ, schien den Teams allerdings keine Probleme zu bereiten. Das Szenario Convoy verlangte, dass mindestens zwei Fahrzeuge, jeweils mindestens 50 kg schwer, eine vorgegebene, etwa 3 Kilometer lange Route entlang fuhren. Sie konnten dabei von einem Operator gesteuert werden, entweder von einer externen Kontrollstation oder von einem der Fahrzeuge aus. Gefordert war „der höchste mögliche Grad an Autonomie“.
Fahrzeuge bei der Elrob 2016 (9 Bilder)

Von den angemeldeten vier Teams traten nur drei an. Das Team Avrora von der russischen Ryazan State Radio Engineering University hatte Probleme mit einem ihrer beiden Roboter und musste absagen. Das Team „Austrian Technology“, eine Kooperation des ARWT mit dem Technikum Wien und der Firma Taurob, hatte einen Traktor mitgebracht, der autonom einem MAN-X58 Lastwagen folgen sollte – was er im zweiten Anlauf auch tat, allerdings recht langsam und holprig.
Immer wieder musste das Führungsfahrzeug zurücksetzen, damit der Traktor den Kontakt wiederherstellen konnte. Nach wenigen hundert Metern brach das Team die Fahrt ab, wollte aber später am Nachmittag noch einmal antreten.
Kurven und Bodenwellen
Bemerkenswert waren dagegen die Fahrten der Teams MuCAR (Universität der Bundeswehr München) und „Smart Military Vehicles“, geleitet von der Firma Diehl. MuCAR fuhr die Strecke mehrmals und bewältigte sie in weniger als zehn Minuten, hatte es mit seinen Fahrzeugen, einem VW Touareg und einem VW Tiguan, allerdings auch einfacher als das Diehl-Team, das mit zwei großen LKW antrat. Die konnten die teilweise engen Kurven nicht so rasant nehmen wie die Münchner PKW, fuhren aber auch sehr flüssig.
Von dem Stop-and-Go, das das autonome Fahren im Gelände vor wenigen Jahren noch gekennzeichnet hat, war hier nichts zu sehen. Selbst in Kurven oder bei Bodenwellen, heikle Situationen für das autonome Fahren im Konvoi, ging der Kontakt nicht verloren.
Offensichtlich verfügten die Folgefahrzeuge über gute Modelle ihrer Umgebung, die ihnen halfen, fehlende oder widersprüchliche Sensordaten auszugleichen. Das Führungsfahrzeug von Smart Military Vehicles verfügt zudem über eine Box, die ständig die eigene Position an das Folgefahrzeug übermittelt.
Noch keine Produktreife
Von Produktreife kann bei beiden Teams noch nicht die Rede sein, von reiner Grundlagenforschung jedoch auch nicht mehr. Der erste Wettbewerbstag dürfte sowohl Teilnehmer als auch Beobachter ermutigt haben, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Für den zweiten Tag ist vorgesehen, das Innere eines Gebäudes zu untersuchen und unter anderem eine radioaktive Strahlungsquelle zu lokalisieren. Mit neun teilnehmenden Teams ist es der am dichtesten gepackte Wettbewerbstag. (kbe)