Volkswagen: Wie teuer wird der Abgas-Skandal in den USA?
In den USA steht der Volkswagen-Konzern kurz vor einer Einigung mit Behörden und Anwälten über Entschädigungen für amerikanische Kunden und Strafen. Bis Dienstag müssen VW und die Gegenseite dem zuständigen US-Richter Charles Breyer einen Vergleichsvorschlag vorlegen
(Bild: Volkswagen)
In den USA steht der Volkswagen-Konzern kurz vor einer Einigung mit Behörden und Anwälten über Entschädigungen für amerikanische Kunden und Strafen. Bis Dienstag (28. Juni 2016/21.00 Uhr MESZ) müssen VW und die Gegenseite dem zuständigen US-Richter Charles Breyer einen Vergleichsvorschlag vorlegen. Am Tag darauf müssen sich Volkswagen-Vorstandschef Matthias Müller und der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch bei der Hauptversammlung der Konzernmutter Porsche SE direkt den Aktionären stellen.
(Bild:Â Volkwagen)
Wird der Termin zur Vorlage einer Lösung bei Breyer nicht eingehalten, könnte er einen Prozess eröffnen, was Volkswagen unbedingt vermeiden möchte. Anwälte, die Sammelklagen von Kunden vertreten, wollen möglichst viel Geld für ihre Mandanten herausholen. Nachdem der Konzern bereits im April 2016 eine Grundsatzeinigung mit den Klägern erzielt hatte und Breyer einen Fristaufschub gewährte, gehen Beobachter davon aus, dass die Dokumente für den Vergleich diesmal pünktlich eingereicht werden. Danach muss Volkswagen aber zunächst weiter bangen. Erst am 26. Juli will Breyer verkünden, ob er der Einigung zustimmt.
Über die entscheidenden Details des Kompromisses kann vorerst nur spekuliert werden. Neue Gerüchte machten zuletzt die Runde: Die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg hatte berichtet, Volkswagen könnte etwa 480.000 betroffenen VW-Kunden jeweils bis zu 7000 Dollar (6300 Euro) Entschädigung für ihre Autos mit Zweiliter-Motoren zahlen. Das Wall Street Journal nannte sogar Zahlungen von bis zu 10.000 Dollar in Einzelfällen. Zusätzlich werde Volkswagen Milliarden überweisen müssen, die in Umweltprojekte investiert werden sollen. Volkswagen selbst äußert sich bislang nicht zum Inhalt einer möglichen Einigung.
Zuletzt war erwartet worden, dass die Kosten für den Vergleich in einer Größenordnung von mindestens zehn Milliarden Dollar liegen. Das würde auch zumindest grob zu den Rückstellungen passen, die Volkswagen in der Bilanz für 2015 vorgenommen hat. Vorerst wurden gut 16 Milliarden Euro für die Folgekosten der Abgas-Manipulationen zurückgelegt. Dabei geht es aber nicht nur um die Probleme in den USA, weltweit sind elf Millionen Wagen betroffen. Möglich also, dass Volkswagen bei einem teureren Vergleich noch mehr Geld aufwenden müsste.
Dies könnte so kommen, da die Rechnung in den USA nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg vom Montagabend höher ausfällt als bislang vermutet. Die Gesamtsumme eines anstehenden Vergleichs mit privaten Klägern und Behörden belaufe sich mittlerweile auf mehr als 15 Milliarden US-Dollar und damit 5 Milliarden Dollar mehr als zuletzt erwartet, schrieb die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg am späten Montagabend unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Weder VW noch die zuständigen Behörden wollten sich gegenüber Bloomberg dazu äußern.
Solange jedoch unklar ist, wie viele vom Abgas-Skandal betroffene Dieselwagen VW in den USA zurückkaufen muss, lassen sich die Kosten schwer abschätzen. Hier dürfte die Entscheidung letztlich auch maßgeblich bei den geschädigten Kunden liegen. Als sicher gilt, dass nicht alle Autos in einen gesetzeskonformen Zustand umgerüstet werden können. Aus dem Schneider wäre Volkswagen mit dem Vergleich ohnehin nicht. Jeder Kläger kann danach einzeln entscheiden, ob er das Angebot akzeptiert oder weiter den Rechtsweg beschreiten will. Auch weitere Strafen und Bußgelder von US-Behörden sind nicht auszuschließen.
Darüber hinaus gilt der Vergleich zunächst sowieso nicht für alle betroffenen Fahrzeuge. Denn neben den Zweiliter-Dieseln sind da noch gut 110.000 Drei-Liter-Autos, bei denen Audi eingeräumt hat, dass sie eine illegale Software haben. Das Problem ist hier etwas anders gelagert als bei den Wagen mit kleineren Motoren - aber Kosten dürfte es dennoch verursachen.
(dpa) (mfz)