US-Telekomkonzern Qwest entlässt 11.000 Mitarbeiter
Rund 15 Prozent der Belegschaft des US-Telekomkonzerns Qwest erhalten im Verlauf der nächsten anderthalb Jahre die Kündigung; gleichzeit erhöhte die Firma ihre Umsatz- und Gewinnerwartungen.
Gute Nachrichten für die Anleger und schlechte für seine Belegschaft gab der US-Telekomkonzern Qwest bekannt. Rund 15 Prozent der Belegschaft erhalten im Verlauf der nächsten anderthalb Jahre die Kündigung: Insgesamt 11.000 Mitarbeiter müssen gehen. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres will Qwest 4.500 Arbeitsplätze streichen, die restlichen Entlassungen sollen im Jahr 2001 erfolgen. Zusätzlich sollen 1.800 Verträge mit freien Mitarbeitern auslaufen. Die Kosten für die Job-Reduzierungen beziffert Qwest mit 900 Millionen bis 1,7 Milliarden US-Dollar.
Gleichzeitig erhöhte der Konzern seine Prognosen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr. Für 2000 erwartet Qwest Umsätze von 18,8 bis 19,1 Milliarden US-Dollar statt der bislang erwarteten 18,5 Milliarden US-Dollar. Für 2001 prognostiziert die Telekom-Firma 21,3 bis 21,7 Milliarden US-Dollar, bislang war der Konzern für das kommende Jahr von 21 Milliarden US-Dollar ausgegangen. Die Gewinne sollen ebenfalls höher ausfallen als bislang prophezeit: 2000 rechnet man mit 7,4 Milliarden US-Dollar und 2001 dann mit 8,5 bis 8,7 Milliarden US-Dollar. Qwest Chef Joseph P. Nacchio erklärte, man erwarte für die nächsten fünf Jahre eine jährliche Wachstumsrate von 15 bis 17 Prozent bei den Umsätzen und rund 20 Prozent bei den Gewinnen.
Die Job-Kürzungen begründet der Konzern damit, dass man nach der Übernahme von US West, eines der größten regionalen Telekom-Betreibers der USA, die Geschäfte schlanker und effektiver gestalten und Überlappungen zwischen den beiden Firmen beseitigen wolle. Außerdem müssten die Mitarbeiter stärker "unternehmerisch denken" und würden mehr darauf verpflichtet, "strategische Prioritäten" zu erfüllen. Die Entlassungen würden aber die Dienstleistungen für die Kunden nicht beeinträchtigen. Qwest will sich in Zukunft auch nach der Übernahme der regionalen Telefongesellschaft US West stärker auf profitable Geschäftsbereiche wie Ferngespräche und Breitband-Datennetze konzentrieren. Unter anderem läuft ein Antrag des Konzerns bei der US-Regulierungsbehörde FCC, auch im Gebiet von US West Ferngespräche anbieten zu dürfen. Außerdem bereitet der Konzern gerade die Gründung einer Firma für digitale Medien vor, die vor allem Lösungen und Dienstleistungen für die Verwaltung und Auslieferung von Inhalten im Internet und über andere digitale Distributionskanäle anbieten soll.
In Deutschland ist Qwest unter anderem durch den Internet-Provider KPNQwest vertreten, ein Joint-Venture mit der niederländischen Telekomgesellschaft KPN. Während die Übernahme von US West durch Qwest im Gange war, versuchte die Deutsche Telekom, mit dem Konzern zu einer Übernahmevereinbarung zu kommen, die allerdings am Widerstand von US West und Bedenken der amerikanischen Regulierungsbehörde scheiterte. Nach der abgeschlossenen Fusion wird der Telekom allerdings immer wieder neues Interesse an einem Kauf von Qwest nachgesagt.
Auch wenn der Kurs der Qwest-Aktie gestern an der New Yorker Börse um rund 5 Prozent nachgab, dürfte es die Anleger freuen, dass die Entlassungen laut Qwest bis 2005 zu Kostenreduzierungen von jährlich 4,3 bis 4,5 Milliarden US-Dollar führen sollen. Für die entlassenen Mitarbeiter dürfte dies allerdings kaum einen Trost darstellen. Auswirkungen auf die europäischen Geschäfte von Qwest mit KNPQwest sollen die Entlassungen allerdings wohl nicht haben. (jk)