Ausprobiert: Per Autopilot über die Autobahn

Der Tesla-Autopilot sorgte mit einem tödlichen Unfall weltweit für Schlagzeilen. Unser Redakteur hat das Software-Update in einem Tesla Model S bereits vor diesem Ereignis getestet.

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Von
  • Karsten Schäfer

Karsten Schäfer, TR-Redakteur, nimmt auf Fernfahrten wann immer möglich die Bahn, sieht in autonomen Autos aber eine echte Alternative.

Einmal kurz aufs Fahrpedal – und schon schieße ich mit dem Tesla Model S von der Autobahnauffahrt auf die mittlere Spur und halte dort die Geschwindigkeit von 130 Stundenkilometern. Doch damit hört die Freude am Fahren auf der Autobahn für mich auch schon auf. Was jetzt kommt, ist pure Langeweile.

Das weiß man auch bei Tesla und bietet mit dem Software-Update 7.1 seit Januar die neueste Version des bisher einzigen Autopiloten bis maximal 150 Stundenkilometer an. Die Bedienung ist kinderleicht. Sobald die Frontkamera die Fahrbahnmarkierung erkannt hat, ziehe ich den kleinen Hebel unter dem Blinkerschalter zweimal kurz zum Lenkrad, und der Autopilot übernimmt das Steuer.

Das Lenkrad macht sich selbstständig, und im Display erscheint die Meldung "Bitte Hände am Lenkrad behalten". Diesen freundlichen Hinweis ignoriere ich geflissentlich. Zwölf Ultraschallsensoren mit fünf Metern Reichweite, ein nach vorn gerichtetes Radar und die Frontkamera überwachen jetzt die Umgebung rund um das Model S. Ich fühle mich in den Händen des Autopiloten sicher aufgehoben.

Der Wagen bleibt exakt in der Mitte des Fahrstreifens. Setzt sich ein Auto vor den Tesla, wird es vom Frontradar erfasst, und der Autopilot reduziert die Geschwindigkeit. Macht sich der Vorausfahrende von dannen, beschleunigt der Autopilot wieder auf die eingestellte Geschwindigkeit. Bei alledem zeigt das Display hinter dem Lenkrad in Echtzeit, wie der Autopilot seine Umgebung wahrnimmt: Das Model S farbig in der Mitte der Fahrspur, andere Autos erscheinen in Grau davor oder daneben.

Weil ich das Lenkrad mit seinen Sensoren nicht anfasse, möchte der Autopilot ab und an offenbar doch sichergehen, dass ich kein Nickerchen mache. Dann ertönt ein Gong, und die Anzeige "Lenkrad festhalten" erscheint. Kommt man der Aufforderung nicht nach, wird der Gong immer schneller, und der Autopilot reduziert die Geschwindigkeit. Auch für den automatischen Spurwechsel muss ich mit mindestens einer Hand das Lenkrad anfassen. Beim Blinkersetzen sollte der Autopilot dann die Spur wechseln. Leider funktioniert der Spurwechsel unter Autopilot oft noch nicht, und mit einer Hand am Lenkrad kann ich das genauso bequem gleich selbst machen.

Während ich dem Autopiloten beim Spurwechsel durchaus mehr zutrauen würde, lenke ich in Autobahnbaustellen lieber selbst – auch auf der rechten Spur. Zu oft fahren die Autos auf der schmalen linken Fahrspur über die Markierung und kommen dem Model S mit seinen fast 2,20 Metern Breite gefährlich nahe.

Generell funktioniert das System aber schon recht gut, auch in der Stadt oder auf der Landstraße. Die größte Erleichterung ist der Autopilot aber auf der Autobahn, wo er nur selten Mühe hat, die Fahrbahnmarkierungen zu erkennen. Größtes Manko: Das aktuelle Tempolimit wird zwar erkannt, aber vom Autopiloten nicht beachtet.

Produkt: Model S
Anbieter: Tesla Motors
Preis: ab 81240 Euro
(bsc)