4W

Was war. Was wird. Per aspera ad astra aut acta? Jedenfalls der 2. Teil des Sommerrätsels.

Viel Spaß wünscht Hal Faber, was angesichts der Gruselgestalten, die immer wieder die Nachrichten jedweder Coleur und jedwedes Weltteils dominieren, doch schwer fällt. Vielleicht hilft das Rätseln. Eskapismus darf manchmal sein.

vorlesen Druckansicht 47 Kommentare lesen
Was war. Was wird. Per aspera ad astra aut acta? Jedenfalls der 2. Teil des Sommerrätsels.

Frau Mahlzahn

Lesezeit: 9 Min.
Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich. Und, wie mittlerweile jedes Jahr im Sommer, auch ein Anlass zum Rätseln. Wegen der gestellten Fragen des Sommerrätsels. Natürlich.

Was war.

*** Hach, da lachen nicht nur die Hühner bei alledem, was unser Bundesinnenminister zu unser aller Sicherheit verkündet hat, damit seine Partei Fleißpünktchen bei denen sammeln kann, die der AfD zugeneigt sind. Besonders pikant ist die Sache mit der ärztlichen Schweigepflicht, weil heute schon Ärzte verpflichtet sind, geplante Taten ihrer Patienten zu melden, sollten diese sich dem Arzt anvertrauen. Über den Attentäter von Ansbach gab es ein Gutachten, in dem davor gewarnt wurde, "dass er selbst seinen Selbstmord noch spektakulär in Szene setzen wird" – es bekam einen hübschen Eingangsstempel, wurde gelesen und abgeheftet. Und hach, den Doppelpass zu entziehen, dieses ur-grüne Projekt zu meucheln, das ist die unverholene Ansage, dass 2017 schwarz-grün auf Bundesebene bereits jetzt geplatzt ist.

Frage 1: Hier schweben sie nicht, sie liegen. Was illustriert diese Zeichnung?

*** Aber hach, die da oben lachen nicht, die fliegen nur, und das in bester Schwerelosigkeit. So stellte man sich die Weltraumfahrt in den zwanziger Jahren eines längst vergangenen Jahrhunderts vor. Damit sind wir beim zweiten Teil des Sommerrätsels, wobei endlich auch das Sommerloch da ist, mittendrin und brumm und dumm. Mit bestem Dank für den Gratz zum ersten Teil geht es auch deswegen in den Weltraum, weil Newsticker-Nachrichten zu Weltraum-Projekten wie ExoMars, Phylae oder "unserem" Alexander Gerst regelmäßig in den Top-Charts der meist geklickten und diskutierten Nachrichten auftauchen.

So sei es denn, wir starten natĂĽrlich mit Frage 1: Im Bild rechts schweben sie nicht, sie liegen. Was illustriert diese Zeichnung?

Frage 2: Noch so eine Vision aus den Anfangstagen der Weltraumfahrt. Was illustriert die Zeichnung?

Weiter mit Frage 2: Noch so eine Vision aus den Anfangstagen der Weltraumfahrt. Was illustriert die Zeichnung im Bild links?

*** Ja, dieser schier grenzenlose Weltraum, der kann einen schon ganz schön kirre machen, mit schwarzen Sommerlöchern ohne Ende. Da hauen dann verzweifelte Redakteure unter der Rubrik Astrologie (!) Nachrichten von einem erdähnlichen Nachbarplaneten raus, der nach "Spigel-Informationen" existiert. Derweil ist die Spiegel-Information noch auf dem Status eines Gerüchtes und der Twitter-Account vom Projekt Pale Red Dot schweigt.

Frage 3: Fritz Langs Film über die Frau im Mond ist der berühmteste Film der frühen Weltraum-Begeisterung in Deutschland, nahezu jede Szene ist im kollektiven Gedächtnis eingebrannt. Gesucht wird daher ein anderer Film mit dem Fluggerät.

*** Ganz anders da der Twitter-Account vom Waffenlobbyliebhaber Donald Trump, der in dieser Woche einer eingehenden Datenanalyse unterzogen wurde. So stellte sich heraus, dass Trump selbst mit einem Android-Phone twittert, während seine Mitarbeiter auf dem Twitter-Konto von Trump mit einem iPhone unterwegs sind. Die Untersuchung schlägt sich auch im deutschen Feuilleton wieder und man fragt sich dort besorgt, was nur in den Köpfen der Geister vorgeht, die für Trump das iPhone bedienen. Doch damit nicht genug, man schrammt auch anderswo Bereiche nahe an der Astrologie, wenn etwa der durchaus seriöse Scientific American sich an der Psycho-Analyse versucht und Trump in der Rangliste der Psychopathen zwischen Idi Amin und Adolf Hitler einordnet. Aus der Schweiz kommt die Ferndiagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, histrionischen und paranoiden Zügen, die in ihrer Aggressivität immer anderen die Schuld gibt und immer einen Schuldigen suchen muss. Zu sehen auch an seinem Weltraumtweet, lange vor seinen Wahlkampf-Ambitionen.

Gar nichts mit Trump zu tun hat zum Glück Frage 3: Fritz Langs Film über Die Frau im Mond ist der berühmteste Film der frühen Weltraum-Begeisterung in Deutschland, nahezu jede Szene ist im kollektiven Gedächtnis eingebrannt. Gesucht wird daher ein anderer Film mit dem Fluggerät im Bild links.

Frage 4: Gesucht wird der oberste Kopf hinter der Einrichtung.

Auch Frage 4 hat nix mit Trump zu tun: Von der Theorie zur Tat: Gesucht wird der oberste Kopf hinter der Einrichtung im Bild rechts.

*** "Gegen Ende des 3. Jahrtausends unserer Zeitrechnung
erhob sich unsere
Stählerne Einfalt
Aufzeigend das Mögliche
Ohne uns vergessend zu machen: das
Unerreichbare.
Diesem ist unser Bericht gewidmet."
Heute vor 60 Jahren starb Bertolt Brecht, der Autor des Lindberghflugs, den er später zum Ozeanflug umbenannte, dabei aber den Fehler mit dem 3. Jahrtausend nicht korrigierte. Brecht degradierte Lindbergh zu einem unbenannten Flieger, weil der echte Lindbergh mit den Nationalsozialisten sympathisierte. Brechts Erben und Kämpfer gegen das Urheberbrecht basteln längst an der Oper Brechts Weltraumflug. Schließlich hätte er sich sehr über den Flug des Sputniks und den darauf folgenden Schock des Jahrhunderts gefreut, den er nicht mehr erlebte. Auch die Landung Castros in Kuba im Dezember 1956 erlebte Brecht nicht mehr, behielt aber recht: Er nannte Fidel Castro einstmals einen unentbehrlichen Menschen, weil dieser sein Leben lang kämpfen würde. Gerade wird Castros 90. Geburtstag gefeiert, mit einer schönen Facebook-Seite.

Womit wir dann nahtlos bei Frage 5 angekommen sind: Gesucht wird ein rechnender Romantiker aus einer ganz besonderen Abteilung.

Und bei Frage 6: "Er beginnt mit elementarer Mathematik und zeigt auf, wie viele andere Vorstellungen, einschließlich der sozialen Ideen, auf diesem Fundament errichtet werden könnten." Wer ist gesucht und wo wurde sein "Fundament" umgesetzt?

*** Der Sputnik ist geflogen, bei ExoMars wird Schiaparelli bald runterkommen. Das schafften auch Gagarin und Shepard, dem kĂĽrzlich gedacht wurde. Er starb frĂĽh, ein typisches Astronautenschicksal unter dem Einfluss kosmischer Strahlung. Nun wird die Raumfahrt unverdrossen privatisiert, etwa bei dem SpaceX-Programm, das 2018 ebenfalls mit einer Sonde den Mars erreichen und 2026 Menschen dorthin schicken will. SchlieĂźlich will niemand geringeres als Elon Musk dort seinen Lebensabend verbringen, Seite an Seite mit Trump-UnterstĂĽtzer Peter Thiel und der Prinzessin vom Mars

Zwar nicht mit Trump, aber ein bisschen mit Musk und Thiel hat Frage 7 zu tun: Die Raumfahrt als Spielzeug von Superreichen. Das gab es schon einmal. Wie hieß der erste Förderer?

Frage 8: Auch Hacker können Raumfahrt, in das All hinaus wie auf dem Mond landen. Wie heißt das Projekt?

Während Frage 8 sich eher nicht um Superreiche dreht: Auch Hacker können Raumfahrt, in das All hinaus wie auf dem Mond landen. Wie heißt das Projekt im Bild rechts?

Was wird.

Mit einem Gelächter über Thomas de Maizière begann die Wochenschau, so kann sie auch mit unserem Bundesinnenminister enden. Er trifft sich in Kürze mit seinem französischen Amtskollegen Bernard Cazeneuve, der eine "globale Initiative" gegen Verschlüsselung fordert und dabei auf deutsche Hilfe hofft. Wie beim Sicherheitstheater in dieser Woche, so geht es auch bei Cazeneuve um die Außenwirkung als Politiker. Beim Planen der Pariser Attacken benutzten die Attentäter keine Verschlüsselung, obwohl es ihnen befohlen wurde. Auch der LKW-Fahrer in Nizza kommunizierte unverschlüsselt; erstaunlich ist die Offenheit der Botschaften. Aber wer hier mit Logik in der Politik kommt, der kommt nicht weiter. Ernüchternd ist zu sehen, wie die Politik die Strategie der Islamisten nicht versteht. Zudem nutzen diese in den höheren Kommandoebenen von Al Quaida und Daesh jeweils eigene Verschlüsselungsprogramme und sind sicher nicht mit einer globalen Initiative zu beeindrucken.

Die entscheidende Frage ist, ob Firmen bereit sind, im Namen der gepredigten Sicherheit Hintertüren einzubauen. Wenn es juristisch heikel ist, kommt sicher eine handliche Weltraumtheorie daher, wonach im Äther gestattet ist, was im Äther gemacht werden kann. Wie heißt es so schön in der Antwort der Bundesregierung auf die Fragen der Linksfraktion nach ZITIS, Drucksache 18/9186? "Eine Bekanntgabe von Einzelheiten zu eingesetzten kryptologischen Methoden /.../ würde weitgehende Rückschlüsse auf die technischen Fähigkeiten zulassen" und damit die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden. Und diese Sicherheit der Republik hat eingebaute Vorfahrt vor der Sicherheit der Bürger. Immerhin erfahren wir Bürger, das für das Kryptoknacken im Startjahr 2017 Sachmittel in Höhe von 10 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Da winkt manch lukrativer Auftrag.

Was zu Frage 9 führt: Natürlich fliegt man nicht ohne Computer durch den Weltraum. Gesucht wird passend zu einem Geburtstag am kommenden Montag ein weltraumfester Rechner, der sich für seine Konstrukteure als außerordentlich lukrativ erwies, nur nicht im Hardware-Geschäft.

Und wir schließen den zweiten Teil des Sommerrätsels mit dieser Frage 10: Auf den Montag folgt bekanntlich der Dienstag. Da wird nach einer globalen Initiative international der 6. Waveday gegen die umfassende Dauerüberwachung unseres Lebens gefeiert, mit einem freundlichen Winken in die Kameras. Auch dieser Tag ist eigentlich ein Produkt der Weltraumforschung. Wer setzte zuerst Überwachungskameras ein?

Na dann. Viel Spaß. Vor allem viel Spaß in diesen Zeiten, in denen Gruselgestalten nicht den Horrorfilmen vorbehalten bleiben, sondern US-Präsident werden und die politische Agenda in Deutschland bestimmen wollen. (jk)