Klassiker: Porsche 356 B 1600 GS Carrera GTL Abarth
Bei Abarth denkt man sofort an Fiat. Doch der Tuner war in den 1960 ein gesuchter Karosserie-Leichtbau-Spezialist, der auch Autos anderer Marken schneller machte. Eine seiner im Wettbewerb erfolgreichsten Kreationen ist ein Porsche 356
- Wolfgang Gomoll
Palermo (I), 17. August 2016 – Ende der 1950er Jahre reifte in der Porsche-Rennabteilung die Erkenntnis, dass man den 356er technisch aufwerten musste, um erfolgreich zu bleiben. Denn die Konkurrenz aus England und Italien fuhr den Zuffenhausenern immer bedrohlicher um die Ohren. Um wieder ganz vorn mitzufahren, musste eine radikale Diät her, soviel war klar. Denn bei den Motoren waren keine großen Sprünge mehr zu erwarten.
Als ausgewiesenen Leichtbauspezialisten holte man Carlo Abarth ins Boot. Der gebürtige Österreicher hatte sich bereits einen Namen als radikaler Tuner gemacht. Eigentlich war Karl (so sein Geburtsname) ein Experte für Fiat und Simca, nahm aber den Auftrag aus Deutschland gerne an. Ferry Porsche selbst hatte Abarth gemeinsam mit Chef-Ingenieur Klaus von Rücker am Rande der IAA 1959 die Zusammenarbeit abgesprochen.
Klassiker: Porsche 356 B 1600 GS Carrera GTL Abarth (20 Bilder)

Nicht ohne Nebengeräusche
Die Zeit drängte. Nach nur drei Wochen sollten die ersten Entwürfe fertig sein. Schon damals liefen solche Geschäfte nicht immer ohne Nebengeräusche ab. Ugo Zagato kam ins Porsche-Werk und wunderte sich, warum der Auftrag über Carlo Abarth abgewickelt werden würde und nicht direkt bei ihm. „Die Herren verabschiedeten sich und fuhren weg”, heißt es in einem internen Porsche-Schreiben, das der Leiter des Konstruktionsbüro Franz Xaver Reimspieß unter dem nüchternen Betreff „Besuch Zagato” am 25.11.1959 verfasst hatte. Das Carlo Abarth nicht immer ganz pflegeleicht war, wird ein paar Sätze später klar: „Bei meinem letzten Besuch in Turin bei Abarth habe ich Herrn Abarth auch gefragt, wo er die Karosserien herstellen lässt, worauf er mir ziemlich kurz bedeutete, das weiß ich noch nicht vielleicht auch bei Zagato.” Letztlich bekam Zagato seinen Anteil am Auftrag.
Sobald Abarth sich an die Arbeit machte, ging er nur wenig Kompromisse ein. Aus dem 356er sollte ein leichter und wendiger GT-Wagen werden. Das grundlegende Design der aerodynamisch optimierten Karosserie stammte von Franco Scaglione, einem italienischen Flugzeug-Ingenieur, der schon bei Bertone sein Können unter Beweis gestellt hatte und aus dessen Feder die Alfa Romeo Giulietta Sprint stammte. Innerhalb von drei Wochen lieferte Abarth die Konzeption für den Sportwagen auf Basis des Porsche 356 B. Die Radikalkur brachte den gewünschten Erfolg: Der Porsche 356 B 1600 Carrera GTL Abarth wog rund etwa 780 Kilogramm und war damit circa 120 Kilogramm leichter als der normale Carrera, war je 13 Zentimeter niedriger und kürzer sowie zwölf Zentimeter schmaler.