Schweiz: Autonomer Postbus nimmt Testbetrieb wieder auf
Das selbstfahrende SmartShuttles der Schweizer PostAuto ist wieder unterwegs. Der Testbetrieb war nach einem kleinen Unfall des autonomen Fahrzeugs fĂĽr zwei Wochen unterbrochen worden.
Nach der Unterbrechung infolge eines Unfalls haben die autonomen Postbusse im Schweizer Ort Sitten am Donnerstag ihren Testbetrieb wieder aufgenommen. Die Busse standen gut zwei Wochen still, nachdem eines der autonomen Shuttles am 21. September mit einem Lieferwagen kollidiert war. Beide Fahrzeuge wurden dabei leicht beschädigt, verletzt wurde niemand. Die verantwortliche PostAuto AG hatte daraufhin zusammen mit Fahrzeughersteller Navya eine Untersuchung des Vorfalles eingeleitet.
(Bild:Â PostAuto Schweiz AG)
Heckklappe touchiert
Dem Unternehmen zufolge lief der Unfall folgendermaßen ab: Der im autonomen Modus fahrende SmartShuttle machte vor dem Einbiegen auf eine Brücke in der engen Altstadt von Sitten eine vorgesehene leichte Linkskurve. Dabei haben sowohl die Lidar-Sensoren wie auch die zur Sicherheit mitfahrende Begleitperson die 1,4 Meter herausragende Heckklappe des Lieferwagens auf einer Höhe von rund 2,2 Metern nicht korrekt als Gefahr erkannt, sodass das Fahrzeug die hintere rechte Ecke der Heckklappe touchierte.
Die Unfallanalyse zeigt laut PostAuto, dass eine Verkettung verschiedener Umstände einen solchen Vorfall auslösen konnte. Der Lieferwagen war so geparkt, dass der Shuttle zwar problemlos an der ersten Ecke der Heckklappe vorbeifuhr, aber dann beim Linksabbiegen die hintere Ecke touchierte. Dies war nur möglich, weil das Hindernis mehr als 2 Meter über dem Boden in die Fahrbahn ragte. Zudem hat die Begleitperson die Situation nicht als problematisch erkannt und erst unmittelbar nach der Berührung mit der Heckklappe einen Notstopp ausgelöst.
Kleiner Dämpfer
Der erste Test eines autonomen Personenbeförderungsmittels im öffentlichen Raum hat dadurch vorübergehend "einen Dämpfer erhalten", wie die PostAuto AG einräumt. Doch die Verantwortlichen zeigen sich auch überzeugt, dass die technische und betriebliche Weiterentwicklung weitergehen könne.
Jungfernfahrt des autonomen Postbusses in Sitten (6 Bilder)

(Bild: heise online/Sperlich)
Für die Wiederaufnahme des Testbetriebs haben PostAuto und Navya technische und organisatorische Maßnahmen umgesetzt, heißt es weiter. Neben diversen technischen Feinanpassungen sei vor allem der Sicherheitsabstand bei Kurvenfahrten erhöht worden. Dies könne den Betrieb zwar verlangsamen, doch die Fahrzeuge könnten so besser auf Hindernisse reagieren und schneller anhalten. Die sechs Sicherheitsbegleiter wurden von Navya und PostAuto nachgeschult.
Anlässlich der Wiederaufnahme zog PostAuto auch eine positive Zwischenbilanz des dreimonatigen Testbetriebs im öffentlichen Raum. Demnach fuhren die beiden SmartShuttles "Tourbillon" und "Valère" zusammen auf über 800 Runden durch die Sittener Altstadt mehr als 1000 Kilometer und transportierten dabei rund 7000 Fahrgäste. Bisher ist es dabei nur zu kleineren Problemen gekommen, etwa technische Störungen, wegen denen der Betrieb ein bis zwei Tage unterbrochen werden musste. Auch mussten die Sicherheitsbegleiter mehrmals im manuellen Modus Hindernisse wie falsch geparkte Autos umfahren. Das Testende ist für Oktober 2017 vorgesehen.
Autonome Busse in Sitten (Sion) (12 Bilder)

(vbr)