Chinesische Automobilhersteller in Deutschland

Mit Borgward und Geely versuchen zwei weitere chinesische Autobauer in Deutschland Fuß zu fassen. Bislang scheiterten alle Versuche der Hersteller aus dem Reich der Mitte im anspruchsvollsten europäischen Markt

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Autoindustrie, China
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Von
  • Wolfgang Gomoll
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München, 25. Oktober 2016 – Bisher scheiterten fast alle Versuche, chinesische Automarken in Europa zu etablieren. Das Konzept „kaufe europäisches Know-how ein und der Rest läuft von alleine“ geht nicht so einfach auf. Andererseits halten die kleinen Erfolge chinesischer Marken, wie Roewe und vor allem Great Wall in europäischen Ländern, wie Spanien, England oder Italien, den Mut der chinesischen Firmen am Leben.

Das Beispiel Qoros zeigt das ganze Dilemma. Da holte man den ehemaligen Mini-Chefdesigner Gert Hildebrand ins Boot, der sich in einem schmucklosen Münchner Gebäude nur wenige hundert Meter von seiner ehemaligen Wirkungsstätte an die Arbeit machte. Heraus kamen durchaus ansehnliche Fahrzeuge, wie der Qoros 3, der Qoros 5 und zuletzt der Crossover Qoros 3GT. Auf europäischen Straßen rollt bisher kein einziges Kundenfahrzeug.

Chinesische Automobilhersteller in Deutschland (12 Bilder)

Lynk & Co ist die neueste chinesische Marke. Geely erfand sie für Europa. Dem Lynk & Co 01 im Bild sollen je zwei neue Modelle jährlich folgen.
(Bild: Lynk & Co)

Der erfahrene Ex-GM-Manager Phil Murtaugh blies schon letztes Jahr den Sturm auf das Abendland ab: „Wir müssen erst einmal unsere Hausaufgaben in China machen und dann schauen wir nach Europa.“ Mittlerweile hat der Manager hingeworfen, genau, wie der Vertriebschef Sun Xiaodong. Qoros-Präsident Chen Anning übt sich weiter in Optimismus. „Unsere Pläne bleiben weiter unverändert.“ Das heißt: Erst China und irgendwann einmal Europa. Doch noch fehlt eine Vertriebsstruktur und zweitens ist das Joint Venture aus dem israelischen Mischkonzern Israel Corporation und dem chinesischen Autobauer Chery unterfinanziert. Es läuft zu schlecht auf dem Heimatmarkt.

Anders sieht die Sache bei Brilliance und Landwind aus. Beide zerschellten buchstäblich im unerbittlichen ADAC-Crashtest. Die Brilliance Limousine BS6 brachte es 2007 auf null von fünf möglichen Sternen. Zwar wurden hinterher Zweifel an dem Testverfahren laut, doch das Misstrauen blieb. Noch übler erwischte es den Jiangling Landwind. Das SUV war nach dem Frontalaufprall mit 64 km/h ein Wrack. „Das gefährlichste Auto der Welt“ urteilte Auto Bild damals erbarmungslos. Landwind war Geschichte. Doch die Chinesen geben nicht auf und kopieren mittlerweile dreist die europäischen Erfolgsmodelle. Unlängst rammte ein Landwind X7, ein Range Rover Evoque-Klon, bizarrerweise das Original. Beide Fahrzeuge sogar in gleicher Farbe.