Online-Shop eToys erwartet das bittere Ende
Mit 293 weiteren Entlassungen versucht der Spielzeughändler sich über die Krise zu retten, erwartet aber das endgültige Aus für April.
Am gestrigen Montagabend feuerte der krisengeschüttelte Online-Spielzeugwarenhändler eToys weitere 293 Mitarbeiter. Die Angestellten erhielten die Mitteilung, dass sie bis spätestens 6. April ihren Arbeitsplatz verlieren. Gleichzeitig erklärte eToys erneut, dass man nur noch bis zum 31. März genügend liquide Mittel habe, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Um die Firma über dieses Datum hinaus weiterzuführen, benötige man eine "zusätzliche, substanzielle Kapital-Spritze". Gleichzeitig aber hieß es, dass eToys "nicht glaubt, dass für die Firma zusätzliches Kapital bereitstehen wird".
Immerhin aber bestätigte eToys, dass Gläubiger ihre Forderungen für gelieferte, aber von dem Online-Shop noch nicht bezahlte Waren bis zum 15. Februar ausgesetzt hätten. eToys werde momentan offenstehende Rechnungen nicht bezahlen, um mit den vorhanden Mitteln den Geschäftsbetrieb vorerst aufrecht erhalten zu können. Die US-Hightechbörse Nasdaq hat eToys inzwischen eine Frist von 90 Tagen gesetzt. Bis zum 2. Mai muss der Online-Shop wieder die Mindestbedingungen für die Notierung an der Börse erfüllen – nachdem der Kurs der eToys-Aktie an 30 aufeinaderfolgenden Börsentagen unter einem US-Dollar lag, ist dies nicht mehr gegeben.
eToys hatte über die USA hinaus einige Berühmtheit erlangt durch die juristische Auseinandersetzug mit der Künstlergruppe etoy um die Markenrechte an "etoys". Die Gruppe versucht nun, die Marke und den entsprechenden Domain-Namen durch eine Klage zu erhalten – bevor der Spielwarenhändler endgültig pleite ist.
Spätestens nach einem äußerst schwachen Weihnachtsgeschäft war eToys in die Bredouille geraten. Die Probleme des Online-Shops sind zwar offensichtlich zum Teil hausgemacht, aber auch andere Online-Spielzeughändler gerieten schon unter die Räder, selbst Disney schloss seine Tochter Toysmart. Analysten in den USA meinten bereits, man müsse realisieren, dass für jeden Dollar, der online ausgegeben werde, sieben Dollar im normalen Handel umgesetzt würden. Nur wenn man mehrere Verkaufskanäle nutze, könne man auch an allem etwas verdienen – den reinen Online-Shops würden die klassischen Händler, die auch das Internet nutzen, nach und nach das Wasser abgraben. (jk)