Klartext: Bitte Abstand halten!
Seit einiger Zeit wurde es Mode, dass sich Motorradfahrer mit der Kradstaffel verbrüdern wollen und jeder der Polizistenkumpel sein will. Das klingt sehr kuschelig, macht die Beziehung aber nur schwerer
Das Wort "Autorität" hatte in der Pädagogik lange Zeit einen schlechten Ruf. Autorität impliziert einen Abstand zwischen der Autoritätsperson und deren Subjekt, der (so die theoretische Idee) dem freien Wassermann-Zeitalter-Indigokind-Lernen sehr abträglich sei und folglich möglichst abzuschaffen. Die aus dieser Theorie folgenden Experimente über lange Zeiten und große Massen an jungen Menschen zeigten jedoch, dass an der Autorität doch mehr dran ist als das pure, willkürliche Böse der Herrschenden Klasse (tm). Der Mensch als Herdentier sortiert sich situativ sehr schnell automatisch in Ad-Hoc-Hierarchien, damit die Gruppen in den jeweiligen Situationen optimal funktionieren. Das war immer ein Überlebensplus. Wenn man also diese Hierarchien in der Gesellschaft nachbildet, sollte man an diese Vorteile denken. Denn die seit Jahren überhand nehmende Einschleimerei der Polizei hat keine der beiden Seiten weitergebracht. Mehr Abstand täte gut. Denn ohne Abstand keine Autorität und ohne Autorität kann die Polizei ihre exekutiven Aufgaben nicht erfüllen.
Satire rechts überholt
Damals dachte ich noch an einen Witz: Der Bürokollege erzählte von einer Kraftrad-Verkehrskontrolle auf der Schwarzwaldhochstraße. Die Beamten dort wurden behindert von einer Vielzahl von Motorradfahrern. Die kamen in eigentlich bester Absicht. Sie wollten Freunde der Polizisten sein. "Wie geht es euch?" "Was macht die Arbeit?" "Ist ja interessant!" "Messen Sie mich auch mal, ich will legal sein!" Das war der Tag, an dem für mich die Satire für immer ihren Reiz verlor. Die Realität hatte die Satire rechts überholt, mit 100 Sachen Geschwindigkeitsüberschuss, betrunken und mit durchs Schiebedach erigiertem Mittelfinger.
Klartext: Bitte Abstand halten! (3 Bilder)

Diese Motorradfahrer sabotierten die Arbeit des Staates, wollten das jedoch gar nicht. Ihre Distanzlosigkeit tat diese Arbeit. Woher kam die nur? Naja, die Kradstaffel zum Beispiel hat ja hart daran gearbeitet, die Distanz zum Verkehrsteilnehmer "Kradist" zu schließen. Auf Motorrad-Veranstaltungen gibt es immer irgendeinen Korso, bei dem vorne und hinten die Polizei fährt. In diesen Sandwich begeben sich die warnbewesteten Teilnehmer der Fraktion "lass uns Freunde sein" dann glückselig, um zum Beispiel Wegkreuze Verunglückter abzufahren. Nein, ich denke mir das nicht aus. Das ist einfach unsere postsatirische Welt.