Volkswagen: Neue Vorwürfe in der Abgas-Affäre
Volkswagen muss in der Abgas-Affäre an vielen Fronten kämpfen. Aktuell geht es um Aufsichtsratschef Pötsch, neue Manipulationsvorwürfe gegen Audi und eine erstaunliche Aussage von Volkswagen selbst
München, 7. November 2016 – In die Abgas-Affäre des Volkswagen-Konzerns kommt neue Bewegung. Gegen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ermittelt die Braunschweiger Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, die Anleger verspätet informiert zu haben. Zudem soll die US-Umweltbehörde Carb bei einem Audi mit V6-Motor eine weitere, illegale Nutzung der Prüfstandserkennung festgestellt haben. In der vergangenen Woche hatte Volkswagen mit der Aussage für Wirbel gesorgt, sich in Europa keiner Schuld bewusst zu sein. Man habe sich an geltendes, europäisches Recht gehalten.
Anfangsverdacht gegen Pötsch
Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hatte von Anfang an einen schweren Stand. Sein Wechsel aus dem Vorstand auf den Posten des Chefkontrolleurs kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe löste schon damals Unmut aus. Laut Konzern laufen jetzt auch gegen ihn Ermittlungen wegen Marktmanipulation. Beginnt eine Staatsanwaltschaft zu ermitteln, sieht die Behörde genug „tatsächliche Anhaltspunkte“ für einen Anfangsverdacht. Es ist allerdings noch längst nicht klar, ob die Staatsanwaltschaft am Ende überhaupt Anklage erhebt.
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(Bild: Volkswagen)
Als Finanzchef des Konzerns war er für die Kommunikation mit den Anlegern zuständig. Eine Ad-Hoc-Mitteilung, mit der Unternehmen über potenziell kursbewegende Nachrichten informieren müssen, läuft in der Regel über den Schreibtisch des Finanzchefs. Er entscheidet oft, ob solche Mitteilungen an die Öffentlichkeit kommen oder das Unternehmen die Nachrichten vorerst für sich behält. Würde er nun zurücktreten, könnte das als Schuldeingeständnis interpretiert werden. Die Volkswagen-Eigentümerfamilien stärken dem Österreicher demonstrativ den Rücken: „Die Familien Porsche und Piëch stehen uneingeschränkt hinter Herrn Pötsch“, teilt Wolfgang Porsche mit.
Manipulation von Verbrauchswerten
Das Pötsch-Problem könnte für Volkswagen sehr teuer werden, denn sollte sich der Verdacht erhärten, hätten Anleger einen Anspruch auf Schadenersatz. Dennoch ist das aktuell nicht die größte Sorge des Konzerns. Viel gravierender könnte die Sache mit der illegalen Prüfstandserkennung zur Manipulation von Verbrauchswerten werden: Die US-Umweltbehörde Carb hat bei Audi-Modellen mit V6 und Automatik (dem intern „AL 551” genannten ZF-Achtstufengetriebe) stark steigende CO2-Werte festgestellt, sobald der Lenkeinschlag 13 Grad übersteigt. Zudem stellt sich die Frage, ob wirklich nur V6-Motoren in einigen Audi-Modellen betroffen sind. Der Konzern hat sich bisher noch nicht dazu geäußert.