Formel 1: Ärger nach der WM-Entscheidung

Nico Rosberg hat sich im letzten Rennen der Formel-1-Saison 2016 gegen seinen Teamkollegen Lewis Hamilton durchgesetzt und ist erstmals Weltmeister geworden. Sein Teamkollege Hamilton hat sich mit seiner Fahrweise viel Ärger eingebracht

vorlesen Druckansicht 8 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.

Seit 2013 sind sie Teamkollegen: Rosberg und Hamilton. Zweimal konnte Hamilton den Titel holen, in diesem Jahr lag Rosberg am Ende knapp vorn.

(Bild: Mercedes)

Er hat es geschafft: Nico Rosberg hat sich im letzten Rennen der Formel-1-Saison 2016 gegen seinen Teamkollegen Lewis Hamilton durchgesetzt und ist erstmals Weltmeister geworden. Er gewann neun von 21 Rennen und war im Ziel unglaublich erleichtert. Im Rennen am Sonntag hätte ein dritter Platz genügt. Dass es in den letzten Runden noch einmal unglaublich spannend wurde, hat Rosberg seinem Teamkollegen zu verdanken. Der hat sich mit seiner Taktik im Team keine Freunde geschaffen.

Nach der Ego-Fahrt des entthronten Formel-1-Champions in der Schlussphase des Saisonfinales von Abu Dhabi schloss Motorsportchef Toto Wolff Konsequenzen für den Briten nicht aus, der Anweisungen von der Box ignorierte. „Anarchie funktioniert in keinem Team und in keinem Unternehmen“, warnte der Österreicher. „Es geht darum, eine Lösung zu finden, wie man so etwas in der Zukunft verhindert.“ Prompt vermuteten britische Medien wie der Daily Express: „Hamilton droht der Rauswurf.“ Das scheint relativ unwahrscheinlich, denn der Brite gilt unter den aktuellen Fahrern als einer der schnellsten.

Hamilton wollte im Finale noch einmal alle Möglichkeiten ausschöpfen, seine WM-Aufholjagd doch noch zu krönen. Dafür verschleppte er vorneweg fahrend das Tempo, um Verfolger Nico Rosberg in weitere Positionskämpfe mit Sebastian Vettel und Max Verstappen zu verwickeln. Wäre der deutsche Mercedes-Pilot nur Vierter geworden, hätte Hamilton doch noch die Wende vollbracht. „Wir haben den Rennsieg in Gefahr gesehen. Seit drei Jahren ordnen wir alles dem Rennsieg unter“, begründete Wolff seinen Ärger, da Vettel auf den letzten Runden richtig aufdrehte. „Das habe ich nicht erwartet, es war vielleicht ein bisschen naiv“, meinte Rosberg über die Taktik von Hamilton. „Man kann die Teamseite verstehen, man kann aber auch Lewis verstehen, weil es um die Weltmeisterschaft geht.“

Erst ignorierte der Brite eine Ansage seines Renningenieurs Peter Bonnington, wieder mehr Gas zu geben. Dann leistete er auch der Anweisung von Technikdirektor Paddy Lowe nicht folge. Wolff beschrieb diese Intervention von der Box als die „höchste Eskalationsstufe“, die es im Formel-1-Team für solche Fälle gebe. „Ich verliere gerade die WM, da ist es mir egal, ob ich dieses Rennen gewinne oder verliere“, lautete einer der Funksprüche von Hamilton.

„Wir müssen mit dem Lewis reden, wir müssen wissen, was los ist“, empfahl Teamaufsichtsrat Niki Lauda. Wolff ermahnte sich selbst zur Besonnenheit. „Ich muss mir jetzt erstmal eine Meinung bilden“, meinte der Österreicher, der durchaus Verständnis für seinen bitter enttäuschten Piloten aufbrachte. „Vielleicht kann man von einem Rennfahrer, der einer der Besten ist, wenn nicht sogar der Beste, nicht verlangen, dass er in so einer Situation die Anweisungen befolgt, in der ihn seine Instinkte davon abhalten“, meinte Wolff. „Mercedes denkt über disziplinarische Maßnahmen nach, was eine Geldstrafe oder sogar Suspendierung bedeuten könnte“, schrieb der Guardian am Montag (28.November 2016). Die Times befand: „Hamilton verließ Abu Dhabi ohne Anstand.“

Das Zerwürfnis von Abu Dhabi ist nichts Neues. In Ungarn 2014 setzte der Brite auf eine Blockadetaktik, als er den auf einer anderen Strategie fahrenden Deutschen trotz mehrfacher Aufforderung von der Box nicht passieren ließ. „Ich habe nichts Gefährliches gemacht, deshalb habe ich nichts Unfaires getan“, verteidigte sich Hamilton nun. „Wir haben um die Weltmeisterschaft gekämpft, ich lag in Führung, ich habe das Tempo bestimmt. So sind die Regeln.“ Den Verhaltenskodex will aber Mercedes bestimmen. „Vielleicht wollen wir ihnen noch mehr Freiheiten einräumen, oder wir entscheiden uns für die härtere Seite, weil die Werte nicht respektiert werden“, erklärte Wolff, der seine Piloten bislang stets frei gegeneinander fahren ließ.

(dpa) (mfz)