Neuvorstellung: McLaren 720 S
Der britische Sportwagenhersteller McLaren geht auf dem Genfer Salon (Publikumstage 9. bis 19. März) in seinen zweiten Modellzyklus. Erster Vertreter der Super Series ist das Leichtbau-Coupé 720S, das McLaren als Nachfolger des 650S vorstellt
- Wolfgang Gomoll
McLaren schwimmt auf einer Erfolgswelle seiner Straßen-Sportwagen. In den letzten fünf Jahren haben die Briten mehr als 10.000 Autos verkauft. Jetzt kommt die nächste Attacke aus Woking auf das Supersportwagen-Establishment. Der McLaren 720S (P14) ist der Nachfolger des 650S und Auftakt einer massiven Produktoffensive: In den nächsten fünf Jahren sollen 15 neue Modelle beziehungsweise Derivate, wie zum Beispiel Spider, auf den Markt kommen. Die Hälfte diese Fahrzeuge wird elektrifiziert sein, neben den Plug-in-Hybriden wird es auch ein Ultimate-Series-Auto geben, das rein elektrisch angetrieben wird. Allerdings wird dieses Modell wohl eher gegen Ende der „Track 22“ genannten Geschäftsstrategie eingeführt.
Der 720S ist das erste Modell der zweiten Generation der Super Series-Baureihe und wird einen Abstand zum McLaren 570 und sogar dem 675 LT herstellen. „Die Super Series-Modelle sind der Kern des McLaren-Geschäftsmodells“, sagt Mike Flewitt, Chef der britischen Sportwage-Schmiede. Die elegante Form des 4,54 Meter langen Super-Sportwagen wird nicht durch auffällige Spoiler verschandelt. Diese Ästhetik ermöglichen sogenannte „Air Ducts“, Kanäle, welche die Luft in geordnete Bahnen lenken und so rund 30 Prozent mehr Abtrieb generieren als beim 650S. Nicht nur die Optik gewinnt dabei – sie sollen auch den Luftwiderstand deutlich reduzieren.
Neuvorstellung: McLaren 720 S (15 Bilder)

Kanalarbeit
Die Eingänge zu solchen Luftkanälen befinden sich bei den LED-Scheinwerfern. Die Luft wird dann durch die Radläufe geführt und an den Türen entlang bis zum Heck. Ganz ohne Flügel geht es aber auch beim 720S nicht: Sein aktiver Heckspoiler verstellt sich je nach Fahrsituation in drei Stufen. Das Ergebnis sollen mehr Grip und höhere Kurvengeschwindigkeiten sein.
Vortrieb liefert der 720 PS leistende, doppelt aufgeladene V8-Ottomotor mit 770 Nm und dem internen Code M840T. Er basiert auf dem Motorblock des Vorgängermodells 650S, rund vierzig Prozent der Teile sind aber neu. Das stark carbonhaltige Chassis (Monocage II) senkt das Gewicht auf 1283 Kilogramm, 18 weniger als beim 650 S Coupé. Die Fahrleistungen: Nach 2,9 Sekunden erreicht der 720S Landstraßen-Tempo, nach aberwitzig kurzen 7,8 Sekunden sind es bereits 200 km/h und nach nur 21,4 Sekunden 300 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 341 km/h. Im Schnitt gönnt sich der McLaren 720S 10,7 l/100 km. Mindestens so wichtig ist die für McLaren-Renner typisch extreme Agilität, eine präzise Lenkung und vor allem sehr gut dosierbare, wirkungsvolle Bremsen.
Das Cockpit der 2,06 Meter breiten und 1,20 Meter niedrigen Flunder wurde komplett neu entworfen. Das geht mit den Flügeltüren los, die weiter in das Fahrzeugdach hineinragen und beim Aufschwingen 16 Zentimeter weniger Platz verbrauchen, als bisher. Die neue Konstruktion macht das Einsteigen deutlich einfacher als bislang. Beim Probesitzen fällt die verbesserte Ergonomie sehr angenehm auf. Auch großgewachsene Menschen haben in den bequemen Integralsitzen Platz, um den Kopf herum bleibt es luftig und eine perfekte Sitzposition ist schnell gefunden.
Das Interieur ist, wie es sich für einen Sportwagen gehört, auf das Wesentliche reduziert. Der Instrumenten-Bildschirm dreht sich im Renn-Fahrprogramm sich um 90 Grad nach vorne. Auf einer schmalen Leiste werden dann nur noch die wesentlichen Informationen anzeigt. Der 720S soll ab Mai für 247.350 Euro zu haben sein. (fpi)