Gefälschter Kilometerstand: Datenbank gefordert
Niedersachsen macht sich wieder einmal fĂĽr eine Kilometerstands-Datenbank stark. Damit soll die Manipulation des Kilometerstandes erschwert werden.
Auf der Verkehrsministerkonferenz, die am Freitag (28. April 2017) endet, macht sich Niedersachsen für eine Car-Pass-Datenbank stark. Darin soll der Kilometerstand bei jeder Reparatur und Hauptuntersuchung eingetragen werden. Dies würde eine Manipulation des Kilometerstandes zumindest sehr viel aufwendiger machen. In dieser Datenbank müssten dann alle neuen Autos verbindlich angemeldet werden, fordert Niedersachsen. In Belgien etwa dürften Gebrauchtwagen nur noch mit einem Car-Pass verkauft werden. „Auch der Bund muss hier endlich handeln“, forderte der niedersächsische Verbraucherschutzminister Christian Meyer (Grüne).
Nachweis schwierig
Das Problem ist alt. Früher wurden die Tachostände wortwörtlich zurückgedreht, was schon mal länger dauern konnte. Heute geht das sehr viel schneller: Innerhalb von wenigen Minuten sind sämtliche Steuergeräte überschrieben. Eine der frühen Maßnahmen gegen eine Manipulation war die Verteilung des Kilometerstandes auf mehrere Steuergeräte. Davon sind in einem normalen aktuellen Auto immer ein paar vorhanden. Schon kurz danach boten die Kriminellen zwei „Services“ an: Bei der billigen wurde nur der Kilometerstand im Kombiinstrument verändert, bei der aufwendigen wurden alle Steuergeräte modifiziert. Heute werden fast immer alle Steuergeräte mit einbezogen. Dank neuer Technik dauert das nicht viel länger und macht den Nachweis einer Fälschung sehr viel schwieriger.
Gefälschter Kilometerstand: Datenbank gefordert (3 Bilder)

(Bild: mfz)
Ein Drittel gefälscht
Der ADAC trommelt in dieser Angelegenheit schon seit vielen Jahren. 2013 wies der Club zusammen mit der Uni Magdeburg nach, dass die Hersteller die Funktionalität zum Zurückstellen des Kilometerstandes bereits in die Software integrieren und es Gaunern damit besonders einfach machen. Passiert ist seit dem nichts. Dabei ist das Problem allen bekannt: „Schätzungen gehen davon aus, dass bei einem Drittel aller Gebrauchtwagen in Deutschland die Tachometer manipuliert sind“, sagt Meyer. Darin enthalten dürften nicht nur zwielichtige Händler auf Kiesplätzen enthalten sein. Auch bei Markenhändlern mit glitzernder Fassade kann sich kein Käufer eines Gebrauchtwagens absolut sicher sein. Da der Betrag derart einfach geworden ist, besteht die Gefahr, dass der Händler selbst Opfer eines Betrugs geworden ist.
Niedersachsen fordert nun, dass auch die Autohersteller aktiv werden müssten. Sie sollten den Kilometerstand besser gegen Manipulation wappnen. Dafür würde es reichen, ihn in einem Steuergerät fälschungssicher abzulegen. Diese Forderung klingt auf den ersten Blick nachvollziehbar, ist in der Praxis aber nicht ganz so einfach umzusetzen. Denn die Margen, die pro gefälschtem Auto zusätzlich locken, sind gewaltig. Zwischen 3000 und 5000 Euro pro Auto sind drin. Für diese Summe kann man in einem Billiglohnland die Verschlüsselung des Herstellers knacken lassen. Es ist letztlich ein Wettlauf zwischen Kriminellen und Herstellern, mit einem großen Vorteil für die Gauner: Nach der Vorstellung eines Modells wird kein Hersteller ohne Not neue Verschlüsselungen nachrüsten. Es bleiben also viele Jahre Zeit, sie zu knacken. (mfz)