Im Vergleich: Reifenpannensets
Ein Set soll bei einer Reifenpanne als Ersatz für das Reserverad dienen. Doch dazu taugen nicht alle, wie ein Test von acht Angeboten zeigt. Zwischen dem Testsieger und den Verlierern liegen noch größere Unterschiede, als es das Endergebnis zeigt
Es gab Zeiten, da war ein vollwertiges Reserverad ohne Aufpreis eine Selbstverständlichkeit. Dieser Umstand war den aufmerksamen Controllern ein Dorn im Auge, und so wurden Argumente erdacht, dass die meisten Ersatzräder am Ende ungebraucht mit dem Auto zusammen verschrottet werden. Das stimmt mit einiger Sicherheit, doch was man von solchen Statistiken halten kann, wenn einen ein inzwischen seltener Reifendefekt ereilt, mag sich jeder allein ausrechnen.
Inzwischen haben einige Autos nicht einmal mehr Platz für ein Reserverad. Der Hersteller reicht dann günstigstenfalls ein Pannenset mit. Falls nicht, kann man sich auf dem freien Markt bedienen. Dabei taugt allerdings nicht jedes System etwas, wie ein Test von der Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ) und der Zeitschrift Autobild zeigt.
Im Vergleich: Reifenpannensets (3 Bilder)

(Bild: GTÜ)
Fünf Kriterien
Die Tester haben sich fünf Kriterien erdacht, die unterschiedlich gewichtet wurden: Verpackung (25 Punkte), Handhabung (85), Produktqualität/Sicherheit (40), Wirkung (200) und Preis (50). Ob man nun die Qualität der Verpackung und die Qualitätsanmutung des Pannensets unbedingt bewerten muss, ist sicher Ansichtssache. Am wichtigsten ist die Wirkung, die mit 50 Prozent gewichtet ist. Von den getesteten acht Produkten erreichten vier nicht einmal die Hälfte der möglichen Punkte.
Im Test sollte ein Reifen mit einem sechs Millimeter großen Durchstich am Rande der Lauffläche abzudichten und auf 2,5 bar wieder aufzupumpen. So sollte auch nach mehr als zehn Kilometern eine Fahrt bei Tempo 80 notfalls durch wiederholtes Aufpumpen mit Hilfe des im Set enthaltenen Kompressors möglich sein. Weitere Druckmessungen nach einer Stunde und nach 24 Stunden gaben ebenfalls Aufschluss darüber, wie gut die Sets dicht gehalten haben.
Nur drei Sets zu empfehlen
Keines der Sets hat den Reifendurchstich absolut perfekt abgedichtet. Aber selbst nach einem Tag lag der Druck bei airMAN und Elastofit immer noch nahe des Ausgangswertes um 2,4 bar. Bei Terra-S zeigte das geeichte Manometer nach einer Stunde noch 2,013 bar, aber nach 24 Stunden nur noch 0,808 bar an. Pannex hielt nach 10 Kilometer Testfahrt noch 1,682 bar Reifendruck. Der fiel allerdings nach einer Stunde auf 1,017 bar ab und nach 24 Stunden auf den Wert Null. Slime lieferte bereits nach zehn Kilometer Fahrstrecke nur mehr bedenkliche 1,239 bar und schon nach einer Stunde mit 0,128 bar fast keinen Reifendruck mehr. Das spezielle Problem von Holts Reifen Pilot: Der Druck in der Füllflasche reichte von Haus aus nur für bestenfalls knapp 1,461 bar – viel zu wenig. Ein weiteres Aufpumpen mit Kompressor ist aber nicht möglich, da das System ausschließlich auf den Druck aus der Flasche vertraut.
Wirkung Null
Der Preis ist auch in diesem Test kein guter Indikator für Qualität. Der Testsieger von airMAN kostet 49,90 Euro, der Zweitplatzierte von Elastofit 35,90 Euro, der Dritte von Terra-S 59,55 Euro. Alle anderen schneiden im Kapitel Wirkung so viel schlechter als diese drei ab, dass sich die Frage nach dem Preis eigentlich nicht mehr stellt. Warum die beiden Letztplatzierten von Premium-Seal und Dunlop überhaupt noch Punkte für den aufgerufenen Preis kassieren, können wir auch nicht beantworten, zumal sie zu den teuren Sets im Test gehörten. Ihnen wurde im Kapitel Wirkung Null Punkte bescheinigt. Da hilft es dann auch nicht mehr, dass beim Premium-Seal die Anleitung und die „Verbindung Schläuche/Kabel“ zum den besten im Test gehören. Das Mitführen solcher vermeintlicher Helfer kann man sich offenbar sparen.
(mfz)