Formel 1: Lewis Hamilton ist Weltmeister
Lewis Hamilton hat die Fahrerwertung der Formel-1-WM vorzeitig entschieden. Geholfen haben ihm dabei auch die zahlreichen Fehler seiner Gegner. Doch entschieden hat diese Weltmeisterschaft letztlich Ruhe und Gelassenheit
Lewis Hamilton hat es geschafft. Beim Rennen in Mexico reichte ein neunter Platz, um zum vierten Mal Formel-1-Weltmeister zu werden. Geholfen hat ihm dabei nicht nur ein sehr gutes Auto und eine gehörige Portion Coolness, sondern auch die zahlreichen Fehler seiner Gegner. Dort wird man nicht allzu tief in die Analyse einsteigen müssen, um zu erkennen, woran man in dieser Saison gescheitert ist.
Mit den Ansagen, dass zum WM-Titel nur noch wenige Punkte geholt werden müssen, haben Fahrer in den vergangenen Jahren durchwachsene Erfahrungen gemacht. 2003 musste Michael Schumacher nur noch einen Punkt im letzten Rennen holen, was damals dem achten Platz entsprach. Nach einem Reifenschaden am Start wurde er: Achter. 2007 führte Hamilton in seiner ersten Formel-1-Saison zwei Rennen vor Schluss derart souverän, dass kaum einer darauf getippt hätte, dass Kimi Räikkönen ihn noch abfängt. Der musste beide Rennen gewinnen und darauf hoffen, dass seine Gegner Fehler machen – was genau so dann passierte.
Formel 1: Lewis Hamilton ist Weltmeister (8 Bilder)

(Bild: Daimler)
Komfortable Situation
Vor dem Grand Prix in Mexiko 2017 lagen die Dinge ähnlich, wenngleich sehr viel komfortabler für den neuen Weltmeister. Selbst wenn sein verbliebener Verfolger alle Rennen gewonnen hätte, hätte Hamilton ein fünfter Platz gereicht. Schlussendlich reichte sogar Platz 9, denn Sebastian Vettel fuhr nach dem Getümmel beim Start des Rennens in Mexico nur auf Rang 4. Doch die WM war im Prinzip schon vorher entschieden.
Dabei sah es lange Zeit für Ferrari gut aus. Sebastian Vettel führte die WM an, was nicht nur an seinem fahrerischen Talent lag. Die Scuderia hat in diesem Jahr ein Auto auf die Räder gestellt, was dem in den vergangenen Jahren dominierenden Mercedes auf den meisten Strecken mindestens ebenbürtig war. Diese Chance nicht genutzt zu haben, wird den Italienern schwer zu denken geben, denn sie ergibt sich nicht in jedem Jahr. Zumal sich abzeichnet, dass im kommenden Jahr Red Bull wieder stärker mitmischen könnte. Sie haben während der Sommerpause offenbar einige Probleme aussortieren können. Max Verstappen hat gerade seinen Vertrag bis 2020 verlängert, im Wissen, dass Star-Designer Adrian Newey sich bei der Entwicklung des Red Bull künftig wieder stärker engagiert. Andernfalls hätte der als ungeduldig bekannte Verstappen in einer Saison mit sieben Ausfällen in 18 Rennen wohl keine Verlängerung in Betracht gezogen.
Gelassen geblieben
Doch all das ist Zukunft. In dieser Saison hat Lewis Hamilton dominiert, und das in einer Art und Weise, die Respekt abnötigt. Er fuhr nicht nur konstant auf hohem Niveau, sondern blieb gelassen – was ihn von Sebastian Vettel unterschied. Der zeigte in diesem Jahr Nerven, wobei sein Rammstoß in Baku einen Tiefpunkt darstellt. Hamilton ließ all das an sich abperlen, blieb cool und war stets zur Stelle, wenn Punkte zu holen waren. Er ist der einzige Fahrer, der bis jetzt in jedem Rennen der Saison 2017 Punkte geholt hat. Nach der Sommerpause hatte Vettel kein Rennen mehr gewonnen, Hamilton fünf von sieben. In Punkten: Hamilton holte seit Ende August 145 Punkte, Vettel 75.
Der vierte Weltmeistertitel in der Formel 1 stillt zumindest kurz die Sehnsucht des 32-Jährigen Hamilton nach dem vollkommenen Moment. „Es wird einfach besser und besser. Ich weiß, wer ich bin, wofür ich stehe und warum ich hier bin. Also tue ich es“, sagt Hamilton. Der Mercedes-Star hat in diesem Jahr die perfekte Mischung zwischen Emotion und Coolness gefunden. Wohl nicht zuletzt aus dem Frust der verlorenen WM gegen Nico Rosberg im Vorjahr entwickelte der Brite den Vortrieb für einen weiteren Reifeprozess.