Italdesign Zerouno: Niedersachsens Dolce Vita
Schnell gerät in Vergessenheit, wie umtriebig Volkswagen in Wahrheit ist und wie viele Marken sich eigentlich unter dem Dach der Wolfsburger tummeln. Auf dem Genfer Automobilsalon gab es mal wieder eine Gedächtnisstütze. Diesmal von Italdesign Giugiaro in Form des Italdesign Zerouno
- Bernd Kichhahn
Schnell gerät in Vergessenheit, wie umtriebig Volkswagen in Wahrheit ist und wie viele Marken sich eigentlich unter dem Dach der Wolfsburger tummeln. Auf dem Genfer Automobilsalon gab es mal wieder eine Gedächtnisstütze. Diesmal von Italdesign Giugiaro in Form des Italdesign Zerouno.
Bei Italdesign Giugiaro handelt es sich um ein Designstudio, das für die Ästhetik und optische Innovationsfreude des Automobilbaus steht, wie kaum ein anderer Name. Typisch italienisch, möchte man fast sagen. Italdesign Giugiaro ist italienische Autokultur vom Allerfeinsten. Und natürlich Tradition. Das Unternehmen wurde 1968 von Giorgio Giugiaro gegründet.
Italdesign Zerouno: Niedersachsens Dolce Vita (3 Bilder)

Unter seiner Regie entstand unter anderem das Design vom Maserati Quattroporte III, BMW M1 oder der DeLorean DMC-12. Später übernahm sein Sohn Fabrizio Giugiaro das Geschäft, 2010 stieg Audi ein. Eine Übernahme, die kein Zufall war. Schon in den 70er Jahren prägte Giugiaro den Auftritt von Volkswagen. So stammen der VW Golf I, der VW Scirocco und der VW Passat B1 aus seiner Feder.
In Genf stellte das Unternehmen den Italdesign Zerouno vor. Der Wagen sollte Begehrlichkeiten wecken. Die Grundzutaten für einen veritablen Hype unter den Superreichen sind jedenfalls da. Es werden lediglich fünf Stück gebaut und der Basispreis liegt bei 1,5 Millionen Euro.
Der Wagen sollte Begehrlichkeiten wecken
Basispreis deswegen, weil es die Wagen offiziell nicht mehr zu kaufen gibt. Wer einen haben will, der könnte zu einem Gebrauchtwagen greifen. Das Portal James Edition beispielsweise offeriert einen Italdesign Zerouno mit fünfzig Kilometern auf dem Tacho. Das Inserat stammt vom Grandex Autohaus aus Sengenthal. Zwar gibt es den Preis nur auf ernsthafte Anfrage, er soll gerüchtehalber allerdings 2,5 Millionen Euro betragen.
Bei aller Freude über die geringe Stückzahl: der Wagen steht auf der gleichen Plattform wie Lamborghini Huracán und Audi R8 4S. Zwei Modelle, die im direkten Vergleich mit dem Zerouno billigste Massenware sind. Was natürlich auch bedeutet, dass die Technik erprobt ist. Den 5,2-Liter Zehnzylinder kennen und schätzen die Fans. Heißt im Klartext: 610 PS, 560 Nm, in 3,2 Sekunden auf Tempo hundert, eine Höchstgeschwindigkeit von 330 Stundenkilometer.
Das sind Daten, die sicherlich nett sind, die aber bei weitem keinen Millionenbetrag rechtfertigen. Deswegen griff Italdesign ein. Der Wagen kann rein optisch nicht mit seinen Konzernbrüdern verwechselt werden. Die Karosserie wurde komplett neu aufgebaut, Front und Heck sind stark zerklüftet. Alle neuen Teile sind aus Kohlefaserlaminat.
An den vorderen Kotflügeln liegen Entlüftungskiemen, vor den Hinterrädern Lufteinlässe samt Sideblades. Das alles führt zu einer martialischen Optik. Diffusor und Spoiler sollen den Wagen auf der Straße halten.
Wer sich als „besitzloser Neider“ beschimpfen lassen möchte, der merke einfach an, dass es sich um kaum mehr handeln würde als um einen aufwendig gepimpten Audi R8. Ganz Unrecht hätte derjenige damit nicht. (fpi)