Gratis-ÖPNV: Tübingen will Modellstadt werden
Der Vorschlag einer kostenlosen Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs hat viele Kritiker gefunden, aber auch einige Befürworter. Zu ihnen gehört Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Er will sich dafür einsetzen, dass Tübingen eine Modellstadt für einen kostenlosen ÖPNV wird.
(Bild: Gudrun de Maddalena)
(Bild: Gudrun de Maddalena)
Der Vorschlag einer kostenlosen Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs hat viele Kritiker gefunden, aber auch einige Befürworter. Zu ihnen gehört Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Er will sich dafür einsetzen, dass Tübingen eine Modellstadt für einen kostenlosen ÖPNV wird.
Dafür brauche er allerdings die Unterstützung von Land und Bund. Die Kommune wendet sich mit einer Resolution an die Bundesregierung und erbittet Unterstützung für einen zweijährigen Versuch. Der Ausfall von Fahrgeldeinnahmen in Höhe von rund 9 Millionen Euro pro Jahr und zusätzliche Kosten von etwa 6 Millionen Euro müssten gestemmt werden, sagte er Südwest Presse (Ausgabe vom 26. April 2018).
Palmer kann sich dabei auch eine Kostenteilung zwischen Bund, Land und Stadt vorstellen. "Wir sind ja auch bereit, Geld in die Hand zunehmen." 6 Millionen von Bund, 6 Millionen aus dem Stadtsäckel und 3 Millionen Euro vom Land wäre ein vorstellbares Modell. Aus Stuttgart gebe es Signale, dass das Land mitfinanziert, wenn der Bund für Tübingen einen Modellversuch auflegt.
Die Bundesregierung hatte Mitte Februar 2018 in einem Brief an die EU-Kommission einen Test von Gratis-Nahverkehrsangeboten in Aussicht gestellt. Hintergrund sind hohe Schadstoffbelastungen der Luft in Städten vor allem durch den Autoverkehr. Mit den dafür vorgesehenen „Modellstädten“ Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim war aber keine Einigung zustande gekommen.
Einen Versuch im Kleinen hat Tübingen schon im Februar 2018 gestartet. Ab Mitternacht in der Nacht von Freitag auf Samstag bis Sonntags kann man die Buslinien in der Stadt kostenfrei nutzen. Im Sommer will man eine Zwischenbilanz ziehen und entscheiden, ob diese Idee fortgesetzt wird.
(mit Material der dpa) (mfz)