Verbraucherschutzlegende: Apple soll Produkte verbilligen, statt für Riesensummen Aktien zurückzukaufen

Der iPhone-Hersteller will 100 Milliarden US-Dollar in eigene Anteilsscheine stecken. Ralph Nader hält das für falsch. Von dem Geld sollten Kunden profitieren – und diejenigen, die Apple-Produkte zusammenschrauben.

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Verbraucherschutzlegende: Apple soll Produkte verbilligen, statt für Milliarden Aktien zurückzukaufen

Ralph Nader bei einer Rede.

(Bild: Ralph Nader, speaking at BYU / Don LaVange / cc-by-sa-2.0)

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Ralph Nader, der wohl bekannteste Verbraucherschützer der USA, hat Apple-CEO Tim Cook in einem offenen Brief dazu aufgefordert, Sinnvolleres mit seiner gigantischen Kriegskasse zu tun, als im großen Stil eigene Aktien zurückzukaufen. Der iPhone-Produzent hatte zuvor angekündigt, 100 Milliarden US-Dollar in dieses Vorhaben investieren zu wollen, was der größte Rückkauf eigener Anteilsscheine eines Konzerns aller Zeiten wäre. Apple will so die Gesamtzahl seiner freien Aktien reduzieren und damit den eigenen Börsenwert erhöhen, der sich derzeit einer Billion Dollar nähert.

Nader meint, Aktienrückkäufe der Vergangenheit hätten gezeigt, dass sich diese nicht lohnen. So habe Cisco seinen Börsenwert im Vergleich zu März 2000 halbiert – trotz "gigantischer Aktienrückkäufe und viel größerer Profite". Die Gehaltspakete des Managements hingen jedoch an solchen Maßnahmen. "Mit Ihrer 100-Milliarden-Ankündigung sagen Sie den Aktionären, den Besitzern Ihrer Firma, dass dies die beste Möglichkeit sei, ihre Interessen zu verfolgen, ohne ihnen detaillierte Erklärungen zu anderen Optionen zu liefern."

Nader, der sein Leben lang gegen problematisches Verhalten von Großkonzernen kämpft, findet, dass es wesentlich sinnvoller ist, mit der Riesensumme andere Dinge zu tun. Dazu gehöre, die Endkundenpreise zu senken. "In den Sechzigern und Siebzigern wären die Margen, die Apple verdient, ein Signal für Wettbewerbshüter gewesen, um nach monopolistischen Praktiken oder unerlaubten Marktabsprachen zu suchen."

Mit nur 2 Prozent der für Aktienrückkäufe geplanten Summe könne Apple auch einen kompletten Jahreslohn als Bonuszahlung für die 350.000 Foxconn-Mitarbeiter leisten, die in China das iPhone zusammenschrauben. "Denken Sie an die wirtschaftliche Erleichterung und Freude, die eine solche Geste auslösen würde." Die Arbeiter schwitzten für Apples "immensen Reichtum" und litten unter schwierigen Arbeitsplatzbedingungen. Daneben könne Apple die Gelder auch für eine Verbesserung der Auswirkungen "der giftigen Lieferkette" des Konzerns etwa in Afrika sorgen, wo der Müll von iPhone & Co, entsorgt wird. "Viele schwerwiegende Krankheiten, Tote und Verletzte, die mit Ihrer Fertigung zu tun haben, könnten vermieden werden."

Denkbar sei auch, dass Apple mehr Geld in "produktive neue Investitionen", in Forschung und Entwicklung, bessere Löhne und Renten für seine eigenen Angestellten sowie für die Bekämpfung der iPhone-Sucht stecke. Weiterhin wendet sich Nader gegen den großen Steuerspareffekt, den die Trump-Regierung Apple bei der Rückholung seiner Auslandsmilliarden zugesteht. Tim Cook solle die Entscheidung über die Verwendung der 100 Milliarden US-Dollar zurückstellen. (bsc)