Sagen Sie mal, lieber Chef des PC-Herstellers Quanmax (Ex-Gericom)...

Quanmax, die ehemalige Gericom, zieht sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Die Maxdata-Mutter hat nach einem guten ersten Halbjahr ehrgeizige Ziele. Es gibt aber auch Fragen.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Damian Sicking

Lieber Quanmax-Chef Hannes Niederhauser,

über solche Schlagzeilen freut man sich: "Mit Quanmax geht es wieder aufwärts", jubelte die österreichischen Tageszeitung Der Standard Mitte dieses Monats und präsentierte zum Beweis ein paar Geschäftszahlen aus dem ersten Halbjahr 2009. Die wichtigste zuerst: Mit knapp 2 Millionen Euro Gewinn ist Quanmax wieder profitabel; in den ersten sechs Monaten 2008 war das Unternehmen aus Linz mit 7,7 Millionen Euro noch tief im roten Bereich. Auch der Umsatz entwickelte sich sehr erfreulich; mit 28 Millionen Euro ist er sogar mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum (11,9 Millionen). Verdoppelung auch bei den verkauften Stückzahlen: von 14.900 Stück in den ersten sechs Monaten 2008 auf 38.900 im ersten Halbjahr dieses Jahres. Für das Gesamtjahr rechnen Sie mit einem Umsatz von 60 Millionen Euro, ebenfalls eine Verdoppelung gegenüber 2008 (28,2 Millionen).

So weit alles gut. Was mir allerdings nicht ganz klar ist: Sind die Ergebnisse der Maxdata GmbH aus Marl in diesen Zahlen enthalten? Ich frage deshalb, weil es weder in dem besagten Zeitungsartikel noch auf der Quanmax-Homepage einen Hinweis auf Maxdata gibt. So als ob es die Übernahme des deutschen Unternehmens im November vergangenen Jahres nie gegeben hätte. Auf der Quanmax-Seite sind lediglich die Marken Chiligreen, Gericom, Proworx und Q aufgeführt. Auch in der Unternehmensdarstellung und der Chronik findet man keinen Hinweis auf eine Maxdata-Übernahme. Bei meinen Recherchen habe ich zudem festgestellt, dass Ihr Abgesandter Mario Heurix nicht mehr als Geschäftsführer von Maxdata tätig ist, sondern das Unternehmen nur noch von Jürgen Werneke geführt wird. Hätte ich nicht wenigstens im Fuß einer Ihrer Pressemitteilungen den Namen Maxdata gelesen, hätte ich geglaubt, auf der falschen Internetseite zu sein. Sehr seltsam das Ganze. Sie schämen sich doch wohl nicht wegen Ihrer deutschen Tochter? Die macht übrigens kein Geheimnis aus den Familienbanden zu Ihnen.

Im Zusammenhang mit der Bekanntgabe Ihrer Halbjahreszahlen haben Sie, lieber Herr Niederhauser, noch einen schönen Satz gesagt, ebenfalls zitiert im Standard am 14. August: "Die Margen bei Schnittblumen und Tomaten sind höher als bei Hightech-Geräten wie Computer." Sind Sie da eigentlich ganz sicher, lieber Herr Niederhauser? Sicher meinen Sie die Margen in Prozent, nicht in Euro und Cent. Prozentual haben, glaube ich, ganz viele Produkte eine höhere Marge, zum Beispiel auch Unterwäsche, Schaufelradbagger und Mondfähren.

Sie erklären den "Standard"-Lesern auch, wer die Schuld trägt an den niedrigen Margen: Das sind so böse Firmen wie Mobilkom oder Hofer (Aldi) mit ihrer aggressiven Preisgestaltung. Sie, lieber Herr Niederhauser, haben damit natürlich nichts zu tun, Quanmax oder früher auch Gericom war und ist so etwas wie ein weißes Schaf unter lauten Wölfen. Entschuldigung, lieber Herr Niederhausen, das, worüber Sie sich da beklagen, nennt man das nicht Wettbewerb? Um mal eine Brücke zur gerade stattfindenden Leichtathletik-WM in Berlin zu ziehen: Die Margen im 100-Meter-Lauf werden auch immer geringer, und auch hier ist der Wettbewerb schuld. Ohne Wettbewerb hätte sich der Weltrekord sicher nicht von 10,0 Sekunden durch Armin Hary 1960 auf nun 9,58 Sekunden durch Usain Bolt verbessert. Eine Konsequenz dieses sportlichen Wettbewerbs ist, dass es für die meisten Athlethen auf dieser Strecke nur wenig zu gewinnen gibt, wenig Geld und wenig Ruhm. Also muss man sich als junger Sportler fragen, ob man da überhaupt mitmachen will. Entscheidet man sich dafür, finde ich es ein wenig albern, sich über den harten Wettbewerb zu beklagen.

Gerade hat mich Frank Kwasnitza von Maxdata angerufen und mir versichert, dass Maxdata nach wie vor ein Mitglied der Quanmax-Gruppe sei. Er selber sei sogar befördert worden, ist seit Anfang dieses Monats als Vice President Sales für sämtliche Marken der Gruppe verantwortlich. Dass der Eindruck entstehe könne, Maxdata gehöre nicht zur Quanmax-Familie, sei ein Manko der Quanmax-Homepage und müsse dringend korrigiert werden. Mit dem ersten Halbjahr 2009 ist Kwasnitza aus Maxdata-Sicht übrigens "nicht zufrieden". Zwar habe man sich über das eine oder andere Projekt gefreut, das Breitengeschäft habe sich aber noch nicht so entwickelt wie erhofft. Hier erwartet Kwasnitza im zweiten Halbjahr eine deutliche Steigerung. Ob die Zahlen von Maxdata in dem Halbjahresergebnis der Quanmax AG enthalten sind, weiß ich aber noch immer nicht.

Beste GrĂĽĂźe

Damian Sicking

Und hier geht es zur Antwort von Hannes Niederhauser.

Weitere Beiträge von Damian Sicking finden Sie im Speakers Corner auf heise resale. ()