Was halten andere Hersteller von Volvos Tempolimit

Volvos Vorstoß, seine Modelle auf 180 km/h zu beschränken, stößt bei den anderen Automobilherstellern auf ein geteiltes Echo. PSA-Chef Carlos Tavares vermutet gar, dass eventuell technische Gründe hinter der Initiative stecken

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Von
  • Wolfgang Gomoll

Volvo-Chef Håkan Samuelsson ist ein Mann der leisen Töne. Selbst, wenn man nur einen halben Meter von dem freundlichen Skandinavier entfernt steht, muss man genau hinhören, um zu verstehen, was er sagt. Dabei sind seine Aussagen durchaus interessant.

Unter dem etwas reißerischen Titel „Volvo setzt starkes Zeichen gegen zu schnelles Fahren” verkündete der schwedische Autobauer, dass er ab dem Jahr 2020 die Höchstgeschwindigkeit seiner Pkw auf 180 km/h beschränken würde. Schließlich sei es die Vision des Unternehmens, dass ab dem Jahr 2020 kein Mensch mehr in einem neuen Volvo getötet oder schwer verletzt werden sollte und die Unfallforschung des Unternehmens habe ergeben, dass zu schnelles Fahren einen besonders negativen Einfluss auf die Verkehrssicherheit habe.

Was halten andere Hersteller von Volvos Tempolimit (8 Bilder)

Volvo will ab 2020 alle Modelle auf 180 km/h Höchstgeschwindigkeit beschränken (im Bild: Volvo S60)

Für Volvo ergibt diese Aussage gleich aus mehrerlei Hinsicht Sinn. Schließlich pflegen die Schweden seit Jahrzehnten ihr Image als sicherheitsbewusster Automobilhersteller und sehen ihre Zukunft in der Elektromobilität. Stromautos saugen ihre Akkus mit steigender Geschwindigkeit deutlich schneller leer. Außerdem gehörten besonders sportliche Fahrzeuge ohnehin nie zu den Kernkompetenzen der Schweden. Volvo verbaut in seinen Modellen seit einiger Zeit nur noch Drei- und Vierzylindermotoren mit 1,5 und zwei Litern Hubraum. Von den ehemaligen R-Sportmodellen hat man sich schon Jahren ebenso verabschiedet wie von Achtzylindermotoren, die zuletzt Yamaha zugeliefert hatte.

Fragt man bei anderen Herstellern nach, gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten. VW verweist auf die Datenerhebung der Unfallforschung, die besagt, dass nicht hohe Geschwindigkeit an sich der Unfallhauptgrund sei, sondern nicht angepasste Geschwindigkeit. Auch ein generelles Tempolimit würde die meisten Unfälle durch unangepasste Geschwindigkeit nicht verhindern. „Statt eines pauschalen Tempolimits sollten unseres Erachtens Tempolimits zielgenau und situationsangepasst angewandt werden, etwa auf nachweislich besonders unfallauffälligen Streckenabschnitten oder temporär bei entsprechenden Witterungsverhältnissen oder hohem Verkehrsaufkommen”, lässt Europas größter Autohersteller verlauten.

Interessante Töne hört man aus Stuttgart-Untertürkheim. Bei Mercedes würde der Entwicklungsaufwand nach Aussage eines hochrangigen Technikers nennenswert sinken, wenn man die Autos nicht mehr volllastfähig machen müsste. Für die Konkurrenz aus München kein Thema: „Ein Tempolimit wäre das falsche Signal. Außerdem muss man die Bremse immer noch so standfest machen, dass eine Fahrt von einem Bergpass möglich ist. Also ist das kein großer wirtschaftlicher Stellhebel.” Diese Argumentation ist aus Sicht der Münchner nachvollziehbar, schließlich steht nach wie vor die „Freude am Fahren” im Zentrum des BMW-Markenverständnisses.

PSA-Chef Carlos Tavares sagte der Branchenzeitschrift Automobilwoche: „Ich glaube als ein Bürger dieser Region, dass eine Stärke von Europa die Diversität und die Kreativität ist, die durch Freiheit entsteht”. Das klingt ein bisschen nach „freie Fahrt für freie Bürger”: 1974 begleitete der Slogan „freie Bürger fordern freie Fahrt“ eine Kampagne des ADAC gegen einen Tempo-100-Großversuch auf den Autobahnen der BRD, der im November 1973 wegen der Ölkrise durchgeführt wurde.

Dann legt Tavares noch nach: „Man kann sich fragen, ob diese Entscheidung darauf zurückzuführen sein könnte, dass die Produkte bestimmte Dinge nicht können.” Das ist nun auffallend unsachlich, denn Tavares weiß selbstverständlich, dass Volvo könnte, aber eben gerade nicht möchte. (imp)