Quer über die Anden: Reportage von der Rallye Dakar
Wer sich einmal von Guerlain Chicherit hat chauffieren lassen, wird danach die eigenen Fahrkünste in einem anderen Licht sehen. Wir haben das X-Raid-Team und ihre BMW X3 CC von Argentinien nach Chile begleitet
- os
Valparaiso (Chile), 14. Januar 2009 – "Verdammt, hätte ich doch bloß meinen Mund gehalten", schießt es mir durch den Kopf. Ich sitze auf dem Beifahrersitz eines BMW X3 CC vom deutschen X-Raid Rallye-Team. Der Mann am Steuer heißt Guerlain Chicherit. Ich war so clever und habe ihm vor dem Start des Co-Drives gesagt, er solle doch bitte so fahren, als ob ich nicht dabei wäre. Sein müdes Lächeln daraufhin hätte mich warnen können. Es schien zu sagen "auch wenn ich nur 50 Prozent fahre, hast du gleich die Hosen gestrichen voll!" Ganz so schlimm ist es zwar um den Zustand meiner Unterbekleidung nicht bestellt. Aber der junge Franzose aus dem französischen Skiort Tignes sorgt durch das abartige Tempo mit dem er seinen Rallye-Boliden über die staubige Schotterpiste pilotiert, für eine gehörige Portion Adrenalin in meinem Körper. Bevorzugt sind wir quer zur Fahrtrichtung und vor allem immer in minimalem Abstand zu den Felsen und Büschen am Wegesrand unterwegs.
Adrenalin als Hobby
Doch der Hang zur hohen Geschwindigkeit in unwegsamem Gelände ist ihm quasi angeboren. Seit Kindesbeinen steht der Franzose auf Skiern und brachte es unter den Freeride-Skifahrern bereits viermal zu Weltmeisterehren. Seine große Liebe ist jedoch schon immer der Motorsport gewesen. Alles Geld, das er sich mit seinen Skierfolgen verdiente, steckte er in seine Rallyekarriere. "Mein größtes Ziel ist es, die Rallye Dakar irgendwann zu gewinnen", erklärt der 30-jährige im Interview. Nach einem kleinen Defekt auf der Etappe von Valparaiso nach La Serena verloren der dreimalige Dakar-Teilnehmer und sein Beifahrer Matthieu Baumel allerdings wichtige Zeit und liegen derzeit auf Platz 13 der Gesamtwertung. Noch schlimmer kam es für seinen Teamkollegen Nasser al Attiyah. Als Führender der Gesamtwertung hatte das Mitglied des Königshauses von Qatar auf der Etappe von San Rafael nach Mendoza akute Probleme mit der Motortemperatur. Er stand vor der Entscheidung weiterzufahren oder auf direktem Weg ins Biwak zurückzukehren, um das Problem zu lösen. Letztendlich entschied er sich gegen den Willen seiner schwedischen Beifahrerin Tina Thörner für die zweite Variante. Dadurch verpassten die beiden neun Kontrollpunkte, erlaubt sind jedoch nur vier. Dieser Regelverstoß führte zur Disqualifikation der beiden.
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