Klartext: Querlenker
Wir wissen heute so viel über Fahrphysik und Psychologie, dass Sicherheitstraining sicherlich zum Besten gehören, was man der eigenen Fahrsicherheit zuliebe tun kann. Sie haben aber ein Problem: Sie sind langweiliger als einfach schön fahren. Aber das Drifttraining ...
Ich erinnere mich an mein allererstes Sicherheitstraining. Das hatte mir der ADAC anlässlich meines bestandenen Motorrad-Führerscheins geschenkt. Wir fuhren die üblichen Fahrübungen auf dem Platz. Wir fuhren im Kreis. Wir fuhren um Hütchen. Meine Zweirad-Ausbildung fand in einer Übergangszeit statt: vor der Einführung des Lenkimpulses in den Fahrschulunterricht, aber nach der Erkenntnis, dass es wichtig sein könnte zu wissen, wie man ein Motorrad tatsächlich lenkt.
Deshalb hatte ich vorher schon davon gehört, ja: lernte es heimlich, weil mir mein Fahrlehrer nicht beim Einlenken helfen konnte, begrüßte also zusätzliche Anleitung dazu. Der Trainer reichte eine Fahrradachse herum, an der man die Ausweichbewegung der Kreiselkräfte spüren konnte. Es war alles recht lehrreich, ich mag mich nicht über Pädagogik oder Inhalte beschweren. Doch es war ehrlich gesagt langweilig.
Klartext: Querlenker (7 Bilder)

(Bild: Kia)
Was drin, ist drin
Auf dieses Problem des Sicherheitstrainings traf ich erneut, als ich über das kompetent gemachte Ausbildungsangebot von KTM berichten sollte. Ja, praktisch jeder Motorradfahrer kann hier erheblichen Nutzen herausziehen. Nein, es macht nicht mehr Spaß als einfach ins Blaue fahren. Das behaupten die Trainer nur: „Ist doch auch lustig mit den Hütchen!“ Naja, so mittel. Auf jeden Fall nicht so lustig wie diese Bergstraße da hinten hoch und runter fahren.
Daran krankt jedes dieser Angebote. Man könnte mehr lernen und danach mehr Spaß aus mehr Fahrfertigkeit ziehen. Oder man könnte gleich einfach fahren. Man lebt jede Stunde nur einmal. In einem berühmten Experiment boten Forscher Kindern Marshmallows an. Sie konnten einen sofort haben oder zwei, wenn sie kurz warteten. Vierjährige können häufig nicht auf die zwei Marshmallows warten. Sie essen lieber einen sofort: Was drin ist, ist drin. Motorradfahrer agieren ähnlich.
Autos und Langeweile
Bei Autos gestaltet sich die Problematik komplexer. Motorradfahren ist ein Motorikhobby, hat also mehr Überschneidungen mit dem Bogenschießen als mit dem Auswendiglernen der StVO. Das Auto dagegen ist beides: Motorikgerät und schnödes Transportmittel, das mich günstig, sicher und legal zur Arbeit bringen soll. Das hilft ihm aber nicht beim Thema Fortbildung. Wenn ich jeden Tag im Auto sitze, denke ich nicht zuerst „oh, oh, oh, das üben wir aber noch mal“, sondern ich denke, ich bin der beste Vierradfahrer seit Jim Clark, mindestens. Ich übe ja jeden Tag. Gut: fahre übermüdet mit Podcast. Aber ist ja fast dasselbe.
Dieses Dilemma kenne ich schon lange. Ich akzeptiere es. Aber jetzt habe ich festgestellt, dass es gar nicht den zwingenden Catch-22 enthalten muss, der es zum Dilemma macht. Es gibt eine Ausnahme, an die ich vorher nicht dachte. Sie heißt: Drifttraining.
Querbeet
Meine bisherigen Erfahrungen mit dem Querfahren enthalten Komponenten, die meine ganz große Schwäche verdeckt haben: einen losen Untergrund oder eine höhere Geschwindigkeit bei geringem Driftwinkel. Auf losem Grund hat man viel mehr Zeit zum Gegenlenken. Auf dem Schneekreisel fühlte ich mich daher schnell als Driftkönig. Es hätte mir zu denken geben sollen, dass Andere sagten, das mit dem Drift sei gar nicht sooo einfach. Tat es aber nicht. Der Mensch benutzt das Denken ja erst, wenn es mit der Schädeldecke allein nicht weiter durch die Wand geht.
Auf jeden Fall brach die Realität über mich herein, als ich in Groß Dölln den Kia Stinger ungefähr zehn Mal am Stück einfach wegkreiselte auf der Bewässerungsstrecke. „Du lenkst fast gar nicht!“, schimpfte der Trainer. Was? Ich lenke brutal viel, dachte ich. Bis ich mir den Lenkwinkel am Rad anschaute. Ich lenkte wirklich kaum, beziehungsweise: Ich lenkte viel zu langsam. Das Gegenlenken muss ja logischerweise in etwa genauso schnell gehen wie das Ausbrechen des Hecks.