Meinung: Der Mautismus der CSU
Jetzt ist sie endgĂŒltig vom Tisch, die AuslĂ€nder-Maut. CSU-Verkehrsminister Scheuer musste in Reaktion auf das Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs in Luxemburg konstatieren. Damit geht ein quĂ€lend langes Drama zu Ende, kommentiert Christian Lorenz
(Bild: obs/Beltretter)
- Christian Lorenz
Jetzt ist sie endgĂŒltig vom Tisch, die AuslĂ€nder-Maut. CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer musste das am Dienstag (18. Juni 2019) in Reaktion auf das eindeutige Urteil des EuropĂ€ischen Gerichtshofs in Luxemburg konstatieren. Nicht ohne, wie die anderen CSU-Mautverantwortlichen Dobrindt und Seehofer, hinzuzufĂŒgen, dass man das Urteil zwar hinnehmen und beachten mĂŒsse. Aber keinesfalls könne man die Entscheidung der Europarichter verstehen. Das verwundert nicht. SchlieĂlich war es derselbe Scheuer, der anlĂ€sslich des allerersten Gutachtens vom Wissenschaftlichen Dienst der Bundesregierung, in dem ĂŒbrigens stand, dass die AuslĂ€ndermaut europarechtswidrig sei, polterte: âAngesichts dieser fachlichen Ignoranz stellt sich die Frage nach dem Sinn des Wissenschaftlichen Dienstesâ. Genau! Wir brauchen endlich wieder Minister, die mit wissenschaftlichen Fakten verantwortlich umzugehen wissen.
Weltfremder Lederhosenpopulismus
Innenminister und GroKo-ProblembÀr Seehofer gehört da ebenfalls nicht zu. Verstieg er sich doch zu der Aussage, dass dieses Urteil die Akzeptanz der EU und ihrer Behörden in der Bevölkerung nicht gerade befördern werde. So gesprochen von den Protagonisten dieses weltfremden Lederhosenpopulismus. Mit einem bestenfalls sinnlosen Prestigeobjekt wollten Seehofer und Dobrindt die Sonderstellung Bayerns im Bund, ja in Europa demonstrieren.
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(Bild: ACE)
OberflĂ€chlich betrachtet scheint die Idee so gut wie einfach. Wir wollen mehr Geld fĂŒr den StraĂenverkehr ausgeben und Ă€rgern uns bei jedem Urlaub darĂŒber, dass wir in Ăsterreich ein Pickerl fĂŒr die Autobahn brauchen, meistens noch nebst empfindlichen Aufschlag fĂŒr die EuropabrĂŒcke. Da kann man doch einfach und billig punkten, indem man eine Autobahnmaut erhebt, die nur fĂŒr AuslĂ€nder gilt. Das erscheint oberflĂ€chlich gesehen auch gerecht, weil wir ja bei denen auch zahlen.
UneuropÀisch
Aber hĂ€tte die CSU das Stammtisch- und Bierzeltniveau doch irgendwann nur verlassen! Sie hĂ€tte nicht ignorieren können, dass die AuslĂ€nder-Maut eine von vorne bis hinten dumme Idee ist. Erstens ist eine AuslĂ€nderdiskriminierung in Europa nicht nur verboten, sondern jede Tendenz, EU-BĂŒrger anderer NationalitĂ€ten schlechterzustellen zutiefst uneuropĂ€isch. Gerade in Zeiten von Brexit und Trumpeleien in der Weltpolitik brauchen wir ein SchĂŒren von europĂ€ischem Bruderzwist gar nicht. Falsch ist auch, dass die auĂerdeutsche Maut ungerecht gegenĂŒber Deutschen ist. Denn sie muss in exakt der gleichen Höhe von jedem dortigen InlĂ€nder bezahlt werden.
Auch der Gedankengang, dass durch die Maut reichlich Geld fĂŒr die Verkehrsinfrastruktur eingenommen wĂŒrde, wurde vielfach widerlegt. Ernstzunehmende Studien haben darauf hingewiesen, dass die Kosten fĂŒr die Mauterhebung deren Gewinn zu einem GroĂteil kompensieren wĂŒrden. Ein Gutachten der GrĂŒnen kam gar zu dem Schluss, dass Dobrindts Verkehrsministerium bei der Kosten-Nutzen-Rechnung fĂŒr die Maut jedes auslĂ€ndische Fahrzeug zweimal zĂ€hlte, einmal bei der Aus- und einmal bei der Einfahrt. Die CSU hĂ€tte also viele Möglichkeiten gehabt, zu erkennen, dass sie sich ein Prestigeobjekt ausgesucht hatte, das scheitern musste.