Klartext: „Zieh dir was Gescheites an!“

Ohne Kleidung wären wir nackte Primaten auf Klima wie in Afrika beschränkt. Wir haben aber gelernt, uns in Dinge zu wickeln, in denen wir überall überleben können, sogar auf einem Fahrrad im Regen auf dem Weg zur Arbeit

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Klartext
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Die Trends „Gesundheit“ und „Klima“ treiben mehr Pendler aufs Fahrrad – eine verkehrspolitisch recht erfreuliche Entwicklung. Welche Fahrten solche Neupendler einspurig zurücklegen, hängt dabei sehr stark vom Wetter ab. Selbst bei bestem Fahrradwetter lässt ein großer Teil der Pedaltreter ihr Alternativfahrzeug schon stehen, wenn der Himmel statt blau hellgrau aussieht.

Zu viel Sonne ist aber auch doof. Und Regen geht schon mal gleich gar nicht. Die Varianz stört den Pendler nicht groß, denn er hat ja noch das Auto als Hauptfahrzeug. Wer sich wirklich etwas Gutes tun möchte, verliert so jedoch die Regelmäßigkeit der Bewegung, die Radfahren überhaupt erst so wohltuend macht. Es hilft daher, sich ein paar Dinge von einer anderen Sorte Einspurfahrer abzugucken, dem Alltags-Motorradfahrer.

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Sechs Wasserdurchfahrten mit der Icon Raiden DKR. Drunter alles staubtrocken. Diese Jacke empfehle ich wärmstens, vor allem, weil man sie gerade für rund 200 Euro kaufen kann.  (Bild: KTM)

Sie erkennen einen Alltags-Motorradfahrer daran, dass er zwar eher weniger Geld für das im täglichen Betrieb leicht abgerockte Gefährt ausgegeben hat, dafür umso mehr Geld für passende Bekleidung mit viel Bandbreite. Die Umstände drängen ihn dazu Auf ein Fahrrad kannst du häufig in normaler Arbeitskleidung steigen. Auf dem Motorrad schreibt schon das Gesetz mindestens den Helm vor. Der Selbsterhaltungstrieb legt obendrein wenigstens Handschuhe, festere Schuhe und abriebfestere Oberbekleidung nahe.

Der alle-zwei-Wochen-zum-Spaß-Fahrer sagt dazu häufig: „Kein Meder ohne Leder!“ Er kauft sich also eine gute Lederkombi. Der Alltagsfahrer sieht dann häufig kopfschüttelnd, dass genau solche Leute dann in Shorts und Shirt ums Eck fahren, weil die Kombi halt im Alltag unpraktisch und umständlich ist. Das fängt beim Anziehen an und endet nicht im Sommer, in dem der Lederfahrer feststellt, dass der Panzer bei 30° C erhebliche Hitzeprobleme verursacht.

Kein normaler Mensch wird im Büro im Racing-Einteiler arbeiten. Kein normaler Mensch wird im Büro in verschwitzter Fahrrad-Racing-Reizwäsche arbeiten. Eine der vielen Kevlar-verstärkten Motorrad-Sommerhosen von Jeans- bis Chino-Look sieht jedoch genauso aus wie ihre unverstärkten Vorbilder und funktioniert auch sehr ähnlich. Die motorradtauglichen Schuhe dazu gibt es in Sohlenvarianten, mit denen man selbst bei Lauf-Stellen wie Lagerarbeiter-Jobs antreten kann. Helm, Handschuhe und Schutzjacke hängt der Pendler zum Dienstantritt an die Garderobe. Und für den Hochsommer bieten Bekleidungsexperten mittlerweile luftige Alternativen zur Protektorenweste an, die weniger nach Motocross-WM und mehr wie „ich fahre durch die Stadt“ aussehen.

Und was, wenn es regnet? Dann zieht man sich eine Regenjacke an. Wenn es stärker regnet, vielleicht eine passende Hose dazu. Mein Kollege Timo fuhr einen Winter lang eine Überzieh-Hose, in die man einfach hineinlaufen konnte. Dann die Labyrinth-Klettverschlüsse schließen: wasserdicht. Zum Ausziehen öffnete man die Verschlüsse und konnte das Ding dann in einem Flutsch vom Schritt reißen. Wir nannten sie die „Chippendale-Hose“. Meine Frau fährt jeden Tag einspurig zur Arbeit und steigt bei Nässe in eine normale Textilhose in einer Größe, in der eine Alltags-Arbeitshose drunter passt. Das An- und Ausziehen grenzt zugegeben an Aufwand, allerdings bei weitem kleiner als der Aufwand „Auto“.