Die Skulptur Automobil
Was man von Autodesignern über die Wirkung von Flächen, von Konkavität und Konvexität oder über Lichtkanten erfährt, erfüllt mich immer wieder mit Bewunderung
- Gernot Goppelt
Hannover, 24. April 2009 – Zu den Sternstunden im Leben des Autofans zählen für mich die Gelegenheiten, wenn Autodesigner ihre Arbeit erklären: Da erfährt man Ungeahntes über die Wirkung von Flächen, über Konkavität und Konvexität oder über "Lichtkanten".
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Das Auto der Neuzeit ist demzufolge eine Skulptur, eine emotional aufgeladene gar. Gutes Design vermag deshalb schon einem stehenden Fahrzeug Sprintkraft und Speed-Potenzial zu verleihen. Und was ich früher arglos eine Bügelfalte genannt habe, ist in Wahrheit eine Lichtkante. Lichtkanten und das Gestalten von Flächen sind für den Designer des 3. Jahrtausends die Stilmittel, um seinen Entwurf gegenüber dem Mitbewerb zu differenzieren.
Die Skulptur Automobil (11 Bilder)

Bangle ist Schuld, ganz klar. Mit ihm ging die Lichtkanterei los.
Heillos verkantet
Noch im 2. Jahrtausend allerdings bezog ein ehemaliger BMW-Designer dafür, dass er Autos gleich zigfach mit Lichtkanten übergoss, jede Menge Prügel. Dabei hatte er seinen Auftrag mustergültig erfüllt: Die BMWs unter seiner Ägide unterschieden sich deutlich und markentypisch sowohl von den Vorgängern als auch von den Mitbewerbern. Heute genießt das ins Blech gedengelte Bangle-Vermächtnis Kultstatus – leider anscheinend bei allen Designern.
Pralle Rundungen, wo seid ihr?
Nur weil alle Autos jetzt Skulpturen sind – muss dann auch etwa ein Audi TT, der Inbegriff automobiler Rundungen, in seiner neuesten Instanz geknickt und gefaltet sein? Und braucht auch er wirklich die allgegenwärtige Längsbügelfalte unter der Fensterlinie? Zur Differenzierung taugt diese Lichtkante jedenfalls nicht, denn man findet sie ja bei fast jedem Neuwagen.