Kolumne: Innovation? Innovation! API Economy als Wirtschaftsfaktor

APIs sind ein wichtiger Umsatzbringer für digitale Geschäftsmodelle – und das wird in Zukunft noch zunehmen, findet Kolumnist Rolf Scheuch.

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Kolumne: Innovation? Innovation! API Economy als Wirtschaftsfaktor

(Bild: smx12/Shutterstock.com)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Rolf Scheuch
Inhaltsverzeichnis

Schon 2015 stellte der Harvard Business Review fest, dass der Umsatz bei Unternehmen mit einem rein digitalen Geschäftsmodell zu einem großen Teil auf der Monetarisierung von APIs beruht. Partnernetzwerke und Affiliateprogramme schossen damals wir Pilze aus dem Boden. Heute haben sie sich als Geschäftsmodell in der digitalen Welt fest etabliert. Da haben wir zum Beispiel Expedia.de, die ca. 90 Prozent ihres Umsatzes generieren, indem sie die Funktionen rund um Reisen und Unterkünfte ihren Partnern zur Verfügung stellen.

Technisch undenkbar ohne ein API-System. Ähnlich funktioniert das Angebot der Reiserücktrittsversicherung der Europäischen Reiseversicherung, das uns scheinbar überall im Internet verfolgt, weil es die Angebote der Reiseveranstalter mit dem Mehrwert der Reiserücktrittsversicherung abrundet. Auch Ebay generiert über 60 Prozent seines Umsatzes über Transaktionen und Auktionen, die von fremden Web-Seiten initiiert werden. Ja, sogar Salesforce.com freut sich über einen Umsatzanteil seiner API-Plattform von 50 Prozent: Über 300 Partner bündeln ihre Angebote mithilfe von Salesforce APIs auf der Salesforce Plattform. Diese bieten so eine Erweiterung der Salesforce-Produkte selbst an oder verwenden die bestehenden, robusten und grundlegenden Basisdienste von Salesforce – nur Apples App-Store ist schöner …


Wer 2015 noch gewettet hatte, dass APIs in ein paar Jahren lauwarmer Kaffee sind … musste sich schon bald eines Besseren belehren lassen: Die Erfolgskurve der API-Plattformen im digitalen Business strebt immer noch gen Himmel und die Story der Internetgiganten, die einen Großteil ihrer Dollars mit API-Technik machen, liest sich heute noch genauso spannend wie damals. Obwohl die Umsatzströme bei Expedia, ERV, Ebay oder Salesforce sehr unterschiedlich fließen, sie alle nutzen Netzwerkeffekte von Angebotsplattformen und ermöglichen ihren Kunden ein eigenes digitales Angebot mithilfe von APIs.

Eine Kolumne von Rolf Scheuch

Seit 1982 ist Rolf Scheuch (Mitbegründer von Opitz Consulting) in der IT tätig. Heute arbeitet er als Management-Coach, Referent und Autor. Schwerpunkt ist die veränderte Rolle der IT durch die Digitalisierung mit den spezifischen Themen Agilität, Rightsourcing und Innovationsfähigkeit der IT. Das Motto des Mathematikers ist "When in doubt simplify" und damit bewertet er Pragmatismus immer höher als theoretische Konstrukte.

Aus vereinzelten Netzwerken sind Wirtschaftsräume geworden, die API-Economy ist angekommen und ready-to-go für (fast) alle Unternehmen verfügbar. Ich würde hier noch weiter gehen: Für mich ist die API-Economy aktuell der wesentliche Treiber der Digitalisierung. Doch wohin treibt dieses Flaggschiff in Zukunft? Wird es noch mehr neue Geschäftsmöglichkeiten für alle geben? Oder läuft es auf eine vollständige Kommerzialisierung hinaus, von der nur wenige Einzelne profitieren?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Welle der Open (Public) APIs schon bald abebben wird, da mehr und mehr Firmen aus der API-Nutzung monetäre Vorteile ziehen wollen. Aber in einzelnen Branchen werden wir auch eine gegenläufige Entwicklung beobachten wie im E-Government-Bereich, wo die OpenData-Policy der Länder und Gemeinden eventuell zu einer verbreiteten Nutzung öffentlich zugänglicher Daten führt. In den meisten Fällen werden die kostenfreien Public APIs aber höchstwahrscheinlich Freemium-Modellen weichen und von den Anbietern über Basisfunktionen hinaus als additive Mehrwert-Dienste in einem Pay-by-Usage-Modell vertrieben werden.

Die Digitalisierung und der Wunsch, neue digitale Produkte zu generieren und somit die eigenen Daten-Schätze zu nutzen, treibt die API-Economy natürlich massiv an. Hierbei ist mir noch unklar, ob es in Zukunft eine Vielzahl an unabhängigen API-Marktplätzen als Aggregatoren und Broker geben wird oder ob sich wegen der Netzwerkeffekte doch nur wenige, aber sehr umfangreiche API-Marktplätze durchsetzen werden. Insbesondere werden viele Unternehmen versuchen, über einen fachlichen beziehungsweise branchenbezogenen Marktplatz Kontrolle über ein Marktsegment oder eine Nische zu gewinnen und an den Mehrwerten der Teilnehmer zu verdienen.

Eins steht für mich aber fest: Conversational APIs, also APIs, die natürliche Sprache oder Texte verarbeiten können, gehört die Zukunft! Mit dem Aufkommen von Chatbots werden Conversational APIs genutzt, um automatisierte Systeme zu erstellen und damit Prozesskosten zu reduzieren. Da diese Systeme wegen der eingesetzten KI-Komponenten wahrscheinlich eher in der Cloud betrieben werden, sind sie ein Baustein der hybriden Architektur einer API Economy.

Außerdem ist für mich klar, dass die API Economy die Verwendung von Microservices und SaaS-Nutzung verstärken wird. Neben der verstärkten Nutzung von APIs für einen transparenten Zugriff auf Legacy-Systeme im Zuge einer Applikationsmodernisierung, öffnen APIs die Tür zu Microservices und gewinnen als Methode zur Applikationsintegration zur Verbindung von SaaS-Produkten an Bedeutung. Insbesondere wird die Integrationslandschaft um ein Netzwerk an API-Aufrufen bereichert.

Mit dem Internet of Everything und etwa den deutschen Industrie-4.0-Bestrebungen wird der Informationsaustausch von Systemen und Dingen untereinander zu einem gigantischen Zuwachs an APIs führen. API wird damit so etwas wie der Backbone einer Hyper Connected World und damit natürlich auch wirtschaftspolitisch zu einem entscheidenden Faktor. Diese API-Welt muss kontrolliert und gesteuert werden. Insbesondere wird das Thema der API Lineage, also den Verwendungsnachweisen der API-Nutzung, und dem automatisierte API-Monitoring eine besondere Bedeutung zukommen, da Unternehmen ein Metadaten-Repository und Automatismen benötigen, um die Vielzahl an APIs zu verwalten.

Die API Economy wird aus meiner Sicht zu einem zentralen Baustein bei der Digitalisierung und beim Aufbau einer dynamikrobusten Systemwelt werden. Der zunehmende Wunsch nach Vernetzung und Automatisierung wird die API-Nutzung verstärken. Die Zeit ist reif, nicht nur APIs zu nutzen, sondern eine API Economy im Unternehmen erfolgreich aufzubauen und zu führen. (axk)