Unfallstatistik: Mehr Unfälle – weniger Verkehrstote

Seit Einführung der Statistik 1953 verloren mit 4949 Opfern weniger Menschen auf deutschen Straßen ihr Leben als jedem Jahr zuvor. Welche Wege gibt es, um die Zahl der Opfer weiter zu verringern?

vorlesen Druckansicht 8 Kommentare lesen
Lesezeit: 6 Min.
Von
  • ssu
Inhaltsverzeichnis

Wiesbaden, 18. Juli 2008 – Im vergangenen Jahr sind in Deutschland insgesamt 4949 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen ums Leben gekommen – so wenige Verkehrstote wurden seit Einführung 1953 noch nie gezählt, teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Damit hat sich die positive Entwicklung der letzten Jahre bei den Getöteten mit einer Abnahme um 2,8 Prozent oder 142 Personen gegenüber dem Vorjahr fortgesetzt.

Entgegen der Entwicklung bei den Getöteten wurden jedoch mehr Personen bei Straßenverkehrsunfällen im Jahr 2007 verletzt. Die Zahl der Schwerverletzten stieg um 1,3 Prozent auf 75.443, die der Leichtverletzten um 2,3 Prozent auf 355.976. Auch musste die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 4,5 Prozent mehr Unfälle (2,3 Millionen) aufnehmen als 2006. Die Unfälle, bei denen Personen verletzt oder getötet wurden, haben um 2,4 Prozent auf 335.845 zugenommen, die Unfälle nur mit Sachschaden sind sogar um 4,8 Prozent auf 2 Millionen gestiegen. Alkoholeinfluss spielt bei vielen Unfällen eine Rolle: Bei 20.785 Unfällen wurde bei mindestens einem Beteiligten Alkohol festgestellt, das waren 6,2 Prozent aller Personenschadensunfälle. Mit 565 Getöteten starben jedoch 11 Prozent aller Verkehrstoten infolge eines Alkoholunfalls, resümieren die Statistiker.

Unfallstatistik: Mehr Unfälle – weniger Verkehrstote (2 Bilder)

Risikofaktor Allee

Während die Zahl der getöteten Motorradfahrer 2007 leicht zurückging, bleiben Kollisionen mit Bäumen unabhängig von der Fahrzeugart eine wesentliche Ursache für schwere Unfälle. [Bild: Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)]

Seit Einführung der Statistik im Jahre wurden noch nie so wenige Verkehrstote auf deutschen Straßen gezählt. Trotz dieser erfreulichen Bilanz dürfte die Entwicklung der letzten sechs Jahre nicht ausreichen, die Zielsetzung der Europäischen Union, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 zu halbieren, für Deutschland zu erfüllen, schätzt das Statistische Bundesamt. Seit 2001, dem Bezugsjahr für die EU-Vorgabe, ist die Zahl der Unfalltoten um 29 Prozent gesunken.

So paradox es zunächst klingen mag: Je sicherer die Autos auf deutschen Straßen werden, desto schwerer fällt es, die Brüsseler Vorgaben für Deutschland zu erfüllen. Eben weil ein Großteil des Fahrzeugbestands im NCAP-Crashtest gut abschneidet, Assistenzsysteme wie ABS und zunehmend die ESP Kollisionen vermeiden helfen, verbleiben als Ursachen für den Unfalltod oder schwere Verletzungen solche, gegen die selbst Insassen einer mit allen derzeit erhältlichen Sicherheits-Features ausgestatteten Luxuslimousine nicht gefeit sind. Dazu zählen zum Beispiel Kollisionen mit Bäumen oder mit Lkw, die ungebremst in Pkw am Ende eines Staus rasen, heißt es bei der Unfallforschung der Versicherer (UDV) unter dem Dach des Gesamtverbands der deutschen Versicherungsunternehmen.