Grüne "Tiefstapler": Sparautos halten nicht, was sie versprechen

Keine Überraschung, aber immer wieder ärgerlich: Testfahrten eines britischen TV-Senders ergaben, dass sich die Käufer von "grünen" Fahrzeugmodellen nicht auf die Verbrauchsangaben der Hersteller verlassen können

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Von
  • Gernot Goppelt
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London, 13. August 2008 – Keine Überraschung, aber immer wieder ärgerlich: Tests des britischen Fernsehsenders Channel 4 haben ergeben, dass sich die Käufer von „grünen“ Fahrzeugmodellen nicht auf die Verbrauchsangaben der Hersteller verlassen können. In der Sendung „4Car“ schickten die Redakteure acht Sparmodelle verschiedener Hersteller auf eine Teststrecke, die so gut es geht dem realen Verkehr nachempfunden war. Die Tester entschieden sich für die beliebten Sparmodelle Golf BlueMotion, Toyota Aygo, Fiat 500 1.2, Skoda Fabia Greenline, BMW 118d, Honda Civic Hybrid, Mini Cooper Diesel und Ford Focus Econetic. Abgesehen vom Toyota Prius stellt das eine recht vollständige Auswahl erschwinglicher Sparmodelle dar, zumal der Toyota Aygo praktisch baugleich auch von Citroën und Peugeot angeboten wird.

Verbrauchsziel klar verfehlt
Es überrascht nicht, dass keines der Fahrzeuge an die vom Hersteller angegebenen Normwerte herankam. Zwischen 0,4 und 1,0 Liter lag der Mehrverbrauch in der Praxis, unter deutschen Verkehrsverhältnissen wäre es womöglich noch schlimmer gekommen. Denn die Briten erdachten einen praxisnahen, aber noch vergleichweise zahmen Fahrzyklus, bei dem es praktisch keinen Verkehr gab – anders wäre ein fairer Vergleich kaum möglich. Die „Stadtfahrt“ dauerte 11,3 Minuten, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 27 km/h. Dazu kamen zehn Abbiegevorgänge mit 16 km/h und eine kurze Phase mit 48 bis 64 km/h. Zudem stand das Fahrzeug 180 Sekunden, also rund ein Viertel der städtischen Fahrtzeit.

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Ausgerechnet der Honda Civic Hybrid brauchte mit 5,6 l einen Liter mehr als die Herstellerangabe suggeriert.

Vergleichzyklus auf echten Straßen
Die gesamten Testfahrten bestanden aus 10 Prozent „Stadt“, 15 Prozent „Vorort“ und jeweils 25 Prozent Autobahn, „flotter“ und „gemütlicher“ Landstraßenfahrt. Dabei profitierten die Fahrzeuge noch davon, dass in Großbritannien auf der Autobahn nicht schneller als 112 km/h gefahren werden darf. Auch die Umgebungsbedingungen waren günstig: Alle Autos starteten bei für das Vereinigte Königreich typischen 10 °C und fuhren die Strecke mit ausgeschalteten elektrischen Verbrauchern.