Geldverschwendung mit Telematik auf Ă–sterreichs Autobahnen
- ssu
Wien (Östereich), 10. August 2009 – Der österreichische staatliche Autobahnbetreiber ASFINAG hat bei der Errichtung automatischer Verkehrsbeeinflussungsanlagen viel Geld verschwendet. Dies geht aus einem Bericht des Rechnungshofs (RH) hervor, der kaum ein gutes Haar an den untersuchten Telematik-Projekten lässt.
Die Bandbreite der Kritik reicht vom ĂĽberbezahlten Manager ĂĽber mangelnde Preisvergleiche beim Einkauf, fehlende und fehlerhafte Kosten-Nutzen-Analysen, zu optimistische Einnahmenerwartungen, nicht genutzte Sparpotenziale, weitgehende Wirkungslosigkeit einer Anlage bis hin zu ĂĽberhaupt mangelndem Bedarf.
Geldverschwendung mit Telematik auf Ă–sterreichs Autobahnen (1 Bilder)

"Verkehrsmanagement- und Informationssystem ASFINAG VMIS"
VMIS: Verkehrsmanagement– und Informationssystem
2003 genehmigte der ASFINAG-Aufsichtsrat das Projekt "Verkehrsmanagement– und Informationssystem ASFINAG – VMIS", das die Errichtung von Verkehrsbeeinflussungsanlagen in sieben Streckenabschnitten mit hohem Verkehrsaufkommen, die flächendeckende Verkehrsdatenerfassung im gesamten Streckennetz, die Schaffung einer modernen Verkehrsmanagement– und Rechnerzentrale sowie die Einrichtung von Schnittstellen zu anderen (ausländischen) Zentralen umfasste.
Verzögerungen und Kostenexplosion
Die sieben Anlagen sollten bis 2008 fertiggestellt werden. Im Juli 2008 waren aber erst drei teilweise in Betrieb. Die ursprünglich geschätzten Gesamtkosten von 175,05 Millionen Euro erhöhten sich bis zum Aufsichtsratsbeschluss auf 193,86 Millionen Euro. In den zwei Jahren danach schnellte der Wert jedoch auf 359,63 Millionen Euro, um dann bis Ende 2007 weiter auf 365,25 Millionen Euro anzuwachsen. Der RH führt dies auf "unausgereifte Planungen" zurück.
Fehlerhafte Prognosen
Die ASFINAG hatte ursprünglich einen Rückgang von Unfällen und Verletzten von jeweils etwa einem Drittel vorausgesagt. Worauf diese Annahmen beruhen, konnte die ASFINAG dem RH aber nicht erklären. Eine Untersuchung für Salzburg entlarvte der RH als schon von Beginn an fehlerhaft. Der prognostizierte Rückgang der Unfallkosten wurde falsch mit 30,6 Millionen Euro (richtig 3,32 Millionen Euro), jener der Klimakosten falsch mit 44,7 Millionen Euro (richtig 1,2 Millionen Euro) angegeben. Bei drei der sieben Anlagen fehlten Kosten-Nutzen-Analysen gänzlich.