Augen, die auf Schirme starren
Sollte man Kindern und Jugendlichen zu Weihnachten Smartphones schenken?
Es gibt wenige Themen, die – zumindest in gewissen Kreisen – die Gemüter so sehr erhitzen, wie die Frage, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche mit Smartphones, Tablets und Computern verbringen sollten. Intelligente, gebildete Menschen, die vermutlich einen großen Teil ihrer Jugend vor dem Rechner verbracht haben, mutieren im Angesicht des eigenen Nachwuchses zu entschlossenen Maschinenstürmern.
Denn, so ihre Argumentation, die moderne Kommunikationstechnologie macht süchtig und dumm. Das bunte Gewimmel führt dazu, dass die Kinder sich nicht mehr konzentrieren können – und die Fähigkeit, echte soziale Beziehungen auszubilden, wird auch schwer gestört. Smartphones sind damit sowas wie Crack für die Psyche – mindestens aber so schädlich wie Zigaretten. Die jungen Leute sollten sich lieber mit Freunden treffen, am besten an der frischen Luft, oder mal ein gutes Buch lesen, statt den ganzen Tag am Phone zu kleben.
FĂĽr mich klingt das gruselig.
Gestützt wird die Argumentation jedoch von diversen Wissenschaftlern, allen voran der Psychologin Jean Twenge von der San Diego State University. Twenge forscht seit Jahren an dem Thema und ist überzeugt, dass die Generation der ab 1995 geborenen Kinder, die "iGen", schweren Schaden genommen haben. Die Generation, die als erste komplett mit Smartphones und sozialen Netzen aufwuchs und kein Leben ohne diese Kommunikationsmittel kennt, sei eine "einsame, dislozierte Generation", mit einem höheren Anteil an Depressionen, Selbstmordversuchen und weniger und späteren sozialen Bindungen. Das gilt natürlich sinngemäß für alle, die danach geboren wurden.
Tja, und wer will seinen Kindern das schon zumuten?
Es gibt allerdings auch andere Stimmen: Andrew Przybylski von der University of Oxford beispielsweise hat erst kürzlich eine Studie veröffentlicht, mit der er belegen will, dass es für all diese Befürchtungen keine Belege gibt. Ganz im Gegenteil, argumentiert der Forscher. Zeit vor dem Bildschirm ist für die Heranwachsenden sogar förderlich. Fun Fact: Przybylski hat die selben Daten verwendet wie Twenge, ist aber offenbar zu einem völlig anderen Ergebnis gekommen.
Ich persönlich denke ja, dass man das Suchtpotenzial der Technik nicht überschätzen und die Intelligenz von Kindern und Jugendlichen nicht unterschätzen sollte. Dazu passt, was die Psychologin Genavee Brown von der Northumbria University in einer Studie herausgefunden hat: Sie hat ermittelt, dass Texten am Smartphone Freundschaften sogar positiver beeinflussen kann als persönliche Treffen. "Phones seem to help, rather than hurt, a young person’s natural progression from the family home to the wider world." Na und wer will das schon unterbinden, zum Fest der Liebe und des Friedens? In diesem Sinne: Besinnliche Feiertage!
(wst)