Von verschlammenden Dieseln, Greta und den Chinesen

Eine Anekdote vom Land über Klimawandeldebatten beim Brötchenkauf.

vorlesen Druckansicht 3 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Ich lebe auf dem Land – also richtig auf dem Land. Nicht so ein bisschen Vorstadt-Land. Und bei uns gibt es viele große Diesel – Pickups mit Ladefläche, auf denen solche Dinge wie Motorsägen, Freischneider, Maschinenteile oder auch mal ein Wildschwein liegen. So ein Gefährt stand am Sonntagmorgen vor unserem Bäcker – mit laufendem Motor aber ohne Insassen. Sein Besitzer suchte gerade Brötchen aus und weil man sich kennt auf dem Land, kenne ich natürlich auch den Besitzer:

„Moin Peter (den Namen habe ich natürlich geändert). Du lässt nicht wirklich Deine Karre laufen, während Du Brötchen kaufst…?“

„Ich fahr ja nur eine Minute, das ist ein großer Diesel, da wird der nicht warm und wenn ich den hier ausmache, verschlammt der mir. Ich nehm noch drei Roggen…“

„Aha.“

„… dann noch zwei Weltmeister. Außerdem sch… ich auf Greta.“

Nun führen sich Diskussionen mit Männern, die solche Autos fahren und KEINE Land- oder Forstwirte, Förster, Jäger oder Landmaschinen-Mechaniker sind, erfahrungsgemäß etwa sperrig. (Die Leute, die diese Autos beruflich fahren, kommen in der Regel mit dem Fahrrad zum Bäcker. Sie sehen täglich, was Klimawandel bedeutet.) Ich habe das schon öfter versucht. Wenn sie dabei dann noch intellektuell gefordert sind, weil sie die richtige Anzahl Brötchen in der angeforderten Sortenmischung kaufen müssen, ist das unterfangen hoffnungslos. Also habe ich versucht, meine Sonntagmorgenbotschaft in ein einfaches Argument zu kleiden.

„Ich glaube nicht, dass Greta viel mit Deinem laufenden Motor zu tun hat.“

„Vier Normale kriege ich noch. Und solange die Chinesen und die Amis sich einen Dreck um das Klima scheren, sehe ich nicht ein, weshalb wir mit unserem kleinen Land so tun sollen, als könnten wir die Welt retten.“

Inzwischen hatte sich hinter uns eine lange Schlange gebildet und die Bäckereifachverkäuferin hatte Schwierigkeiten die Brötchenbestellung zu verarbeiten und gleichzeitig nicht zu grinsen. Da lange Schlangen am Sonntagmorgen nicht gut für die Stimmung sind, habe ich meinen für solche Fälle vorbereiteten etwa halbstündigen Monolog heruntergeschluckt und Peters Silhouette betrachtet.

„Radfahren täte Dir aber ganz gut.“

Ich glaube, jetzt spricht er nicht mehr mit mir. Meine Freundin ist sehr praktisch veranlagt und schlug, als ich ihr davon erzählte, vor, beim nächsten Mal das Auto gleich für Einkäufe beim Landhandel im Nachbarort zu leihen. Dann wird der Diesel wenigstens warm.

(jsc)