Wider den Elektroschrott

Der Wert von elektronischen Bauteilen in Automobilen steigt immer mehr – auch bei der Verwertung. Das Forschungsprojekt ReECar sucht nach Konzepten für ihre nachhaltige Verwertung und Bevorratung

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  • Gernot Goppelt
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Dortmund, 14. November 2008 – Mit einer Abschlusskonferenz im Dortmunder Institut für Materialfluss und Logistik der Fraunhofer-Gesellschaft endete am vergangenen Donnerstag das Forschungsprojekt ReECar. Es leistete Grundlagenarbeit für das Recycling der Steuerungs- und Sensortechnik in Automobilen.

Wertvolle Elektro-Ersatzteile
Der Golf 1 (1974-1983) besaß genau eine elektronische Steuerung, die in 10 Minuten ausgebaut werden kann und heute 130 Euro wert ist. Beim Golf 2 (1983-1992) waren es bereits fünf Steuergeräte, für die man 80 Minuten braucht, um Elektro-Ersatzteile im Wert von 240 Euro zu gewinnen. Der aktuelle Golf 5 (2003-2008) hat 28 elektronische Baugruppen, für die ein Betrieb 360 Minuten Ausbauzeit braucht, um Teile im Wert von 2744 Euro zu bergen. Mit diesen Zahlen untermauerte Martin Knode vom ostfriesischen Recycling-Spezialisten Retek die Annahme, dass es sich beim Recycling elektronischer Bauteile um ein Geschäftsfeld handelt, das in kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.

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Der Wert elektronischer Bauteile in modernen Autos beträgt mehrere 1000 Euro. (Bild: Bosch)

Schon heute haben Oberklassenfahrzeuge mehr als 40 Baugruppen, bis zum Jahre 2015 wird 30 Prozent des Wagenwertes von der verbauten Elektronik bestimmt. Zudem ist nach der aktuellen Pannenstatistik des ADAC der Ausfall der Elektronik für 35 Prozent aller Pannen verantwortlich, zu denen noch die 14,6 Prozent für Defekte an der Zündanlage und 6 Prozent für Einspritzanlagen als Pannengrund gerechnet werden können. Für die staatlich anerkannten etwa 1200 Verwertungsbetriebe in Deutschland ist die Fahrzeugelektronik ein lukrativer Wachstumsmarkt. Sie macht derzeit zwar nur 8 Prozent des Umsatzes aus, aber kommt mit einem Profit von 52 Prozent.

Ausbau und Bevorratung immer wichtiger
Seit April 2006 beschäftigt sich das mit 1,55 Millionen Euro vom BMBF geförderte Forschungsprojekt ReECar mit der Frage, wie die zunehmende „Computerisierung“ der Fahrzeuge nachhaltig genutzt werden kann. Bei einem Innovationszyklus von drei Jahren in der Mikroelektronik wird der Ausbau, die Lagerung und Aufbereitung von gebrauchten Baugruppen immer wichtiger, weil Automobile bis zu 18 Jahre im Markt sind. Die Abschlusskonferenz des Projektes, an der alle großen Autobauer wie Zulieferer teilnahmen, zeigte, dass man erst ganz am Anfang steht.