Wo bleibt die Rennserie für ältere Anfänger?

Motorsport-Funktionäre scheinen der Ansicht zu sein, wenn sie selbst den Hintern nicht mehr hochkriegen oder das aktive Fahren an den Nagel gehängt haben, dann muss das für andere über 30 auch gelten

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Von
  • Gernot Goppelt
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Hannover, 18. November 2008 – Tourenwagen-Fahrer Bernd Schneider steigt aus, beim Finale der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) Ende Oktober in Hockenheim bestritt er sein letztes Rennen, holte noch drei Punkte und erreichte Rang 6. Er sagte einmal, „dass 44, 45 so das richtige Alter ist, um mit dem Rennfahren aufzuhören“. Er blickt auf 30 Jahre Motorsport zurück denkt aber nicht daran, den Motorsport komplett an den Nagel zu hängen. Michael Schumacher ließ schon mit 37 Jahren die Formel 1 hinter sich. Aber auch er kann das Rennfahren noch nicht lassen. So sah man ihn in diesem Jahr einige Male bei Amateur-Motorradrennen auf einer Honda Fireblade CBR1000RR des Teams Holzhauer Racing Promotion (HRP) um einige Rundkurse jagen.

Talentfrage
Es mag zwar so aussehen, dass Rennfahrer jung sein müssen, um erfolgreich zu sein. Doch eines ist gewiss: Gewonnen haben sie ihre Rennen nicht, weil sie jung waren, sondern weil sie ein besonderes Talent hatten. Nach 30 (Schneider) beziehungsweise 20 Jahren (Schumacher) fehlt es möglicherweise am Ehrgeiz, jede Runde noch ein Tausendstel schneller sein zu wollen als in der vorherigen. Denn irgendwo dürfte Schluss sein, keine weitere Leistungssteigerung mehr möglich sein. Stellt sich nicht spätestens dann bei den meisten Menschen eine gewisse Lustlosigkeit ein?

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Wie viele unentdeckte Talente mögen noch in Menschen schlummern, denen es durch verschiedene Umstände nicht möglich war, ihr Talent zu entdecken?

Interessant wäre die Frage: Wenn Schneider oder Schumacher in dem Alter, als sie aufhörten, erst angefangen hätten mit dem Rennsport, wie weit wären sie dann gekommen? Eine müßige Überlegung? Nicht unbedingt. Denn wie viele unentdeckte Talente mögen noch in Menschen schlummern, denen es durch verschiedene Umstände nicht möglich war, diese zu entdecken? Wenn sie jetzt in den Motorsport einsteigen wollten, welche Chancen und Möglichkeiten hätten sie dann? Nicht viele, das sei schon mal vorweggenommen. Natürlich könnten sie sich ein Rennkart zulegen und damit anfangen zu trainieren. Kartrennbahnen gibt es wie Sand am Meer.

Ausgemustert
Mit einem aufgebrezelten Tourenwagen wird es schon schwieriger, denn wo soll man trainieren? Da gibt es einige markengebundene Angebote wie zum Beispiel von BMW (für Mitglieder des BMW Drivers Club, bzw. die Mini-Challenge) oder von Rennstrecken (Motorsportarena Oschersleben, Motorsport-Akademie am Nürnburgring etc.) Doch handelt es sich immer nur um einzelne Events, die zudem richtig Geld kosten – sie sind zu teuer und zu wenig verbreitet, um dabei Erfahrungen und Rennkilometer sammeln zu können.