Bundesrat: MotorrÀder sollen leiser werden

MotorrĂ€der sollen kĂŒnftig weniger LĂ€rm verursachen. Zudem wird ĂŒber Fahrverbote nachgedacht. Die VorschlĂ€ge ernten nicht nur Zustimmung.

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Bundesrat: MotorrÀder sollen leiser werden

MotorrÀder sollen leiser werden, meint der Bundesrat. Im Bild: BMW S 1000 RR

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  • dpa
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Die LĂ€nderkammer will sich nach einem Beschluss vom Freitag (15. Mai 2020) dafĂŒr einsetzen, dass die zulĂ€ssigen GerĂ€uschemissionen aller Neufahrzeuge begrenzt wird. KĂŒnftig soll ein Maximalwert von 80 Dezibel gelten. Die LĂ€nder möchten, dass Polizisten Fahrzeuge bei „gravierenden LĂ€rmĂŒberschreitungen“ sofort sicherstellen dĂŒrfen.

Außerdem soll hĂ€rter bestraft werden, wenn das Motorrad durch nachtrĂ€gliche VerĂ€nderungen des Serienzustandes erheblich lauter wird. Das Sound-Design, ĂŒber das Fahrer die GerĂ€uschkulisse selbst einstellen können, soll verboten werden. Die LĂ€nder wollen zudem beschrĂ€nkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen. Die Entschließung des Bundesrats geht nun an die Bundesregierung. Diese entscheidet, ob und wann sie die Anregung umsetzen will. Feste Fristen gibt es hierfĂŒr nicht.

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Baden-WĂŒrttembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (GrĂŒne) zeigte sich am Freitag zufrieden. Es sei eine wichtige Etappe beim Schutz vor MotorradlĂ€rm erreicht. „Aber wir sind noch nicht am Ziel angelangt. Auch, wenn Land und Kommunen alles ausschöpfen, was gesetzlich möglich ist, muss deutlich mehr getan werden.“ MotorrĂ€der mĂŒssten leiser sowie leiser gefahren werden. „RĂŒcksichtsloses Fahren muss deutlichere Folgen haben“, sagte Hermann. „DafĂŒr mĂŒssen die rechtlichen Vorgaben erweitert werden. Hier sind insbesondere die Bundesebene und Europa gefragt.“

Der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) sieht VerkehrslĂ€rm ebenfalls als Problem, fordert aber, dass bei der Problemlösung alle Fahrzeuge einbezogen werden. „Was wir ablehnen und nicht nachvollziehen können, ist die einseitige Fokussierung beim Thema LĂ€rm auf die MotorrĂ€der“, sagte der Vorsitzende Michael Lenzen. „Hier sehen wir ganz klar eine Diskriminierung der Motorradfahrer.“ Es sei ein Unding, mehr als vier Millionen Motorradfahrer wegen Fehlverhaltens einer Minderheit ĂŒber einen Kamm zu scheren. „Bei Autofahrern, etwa bei den illegalen Straßenrennen in StĂ€dten, geht man auch gezielt gegen die Verursacher vor. Hier muss gleiches Recht fĂŒr alle gelten.“

Der Hagener Umweltpsychologe und LĂ€rmwirkungsforscher Dirk Schreckenberg sieht die Bundesrats-Entschließung als einen Schritt in die richtige Richtung. Bislang sei das Thema zu wenig beachtet und eher vernachlĂ€ssigt worden. Dabei sei MotorradlĂ€rm ein großes Problem, vor allem im lĂ€ndlichen Raum, sagt Schreckenberg. Der Motorradverkehr hier beiße sich mit AnsprĂŒchen der ĂŒbrigen Menschen, die dort sind: Touristen, die sich erholen möchten und Anwohnern, die sich dafĂŒr entschieden haben, auf dem Land in Ruhe zu wohnen. „Und auch noch zu Zeiten, in denen man besonderen Ruheanspruch hat, am Wochenende, insbesondere am Sonntag.“ Ob die Begrenzung das Problem wirklich löst, bleibe aber abzuwarten. „Denn ob sich dadurch die Anzahl der MotorrĂ€der auf den Straßen verringert, kann man noch nicht sagen, wahrscheinlich eher nicht“, sagte Schreckenberg.

Er sieht neben der LĂ€rm-Begrenzung am Fahrzeug selbst noch eine andere Notwendigkeit: Die durch MotorrĂ€der entstehende LĂ€rmbelastung mĂŒsste wirkungsbezogener erfasst werden. Weil MotorradlĂ€rm nĂ€mlich vor allem an Wochenenden im Sommer die Menschen belaste, sei der bislang erfasste Jahresdurchschnittswert nicht aussagekrĂ€ftig, sagte Schreckenberg. Die Forschung zeige, dass mit dem LĂ€rmpegel eines „Sommersonntags“ die BelĂ€stigung fĂŒr die Anwohner deutlich besser vorauszusagen sei als mit dem Jahrespegel. Orientieren könne man sich an der Messung von FluglĂ€rm: DafĂŒr werde anstelle des Jahresdurchschnitts bereits jetzt ein Dauerschallpegel aus den Flugbewegungen in den Sommermonaten, also den Monaten mit dem meisten Flugverkehr, ermittelt.

(mfz)