ADAC fordert Verzicht auf Umweltzonen
- Gernot Goppelt
Ab 1. Januar 2008 wollen mit Berlin, Köln und Hannover die ersten Städte eine Umweltzone einführen. Ein im Auftrag des ADAC erstelltes Gutachten belegt nach Angaben des Automobilclubs, dass ihr Effekt gleich null wäre. Deswegen fordert ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker, die betroffenen Kommunen auf, auf diesen ungerechtfertigten Eingriff in die Mobilität der Menschen zu verzichten.
Vielmehr müssen aus Sicht des ADAC sinnvolle Maßnahmen ergriffen werden. Auch der Pkw-Verkehr könne dazu einen Beitrag leisten, obwohl sein Anteil an der Feinstaubbelastung mit fünf Prozent sehr gering sei. Partikelfilter nachzurüsten sei jedoch wesentlich effektiver als eine Umweltzone, da es das Problem an der Wurzel bekämpfe. Außerdem sollten sich die Städte verstärkt darum bemühen, beispielsweise mit Hilfe „Grüner Wellen“ den Verkehr intelligenter zu lenken. Zu kritisieren sei auch der durch die Plakettenverordnung entstehende Verwaltungsaufwand. Millionen von Pkw benötigten künftig eine Plakette, obwohl sie keine Rußpartikel ausstoßen. Dafür müsse ein erheblicher Beamtenapparat geschaffen werden.
Das Gutachten hatte Professor Detlev Möller von der TU Cottbus erstellt, jedoch „zum möglichen Einfluss der in Berlin vorgesehenen Umweltzone auf die Luftqualität bezüglich PM10 und NOx“. Das relativiert seine Aussagekraft, denn Berlin ist bekanntlich weder Köln noch Hannover. Die Ergebnisse seien jedoch prinzipiell auch auf Umweltzonen anderer Städte übertragbar, so ein ADAC-Sprecher.
Die Lektüre des Gutachtens lohnt allemal, zumal es interessante Einblicke in Messwerte und -methoden gibt. Zu Beginn seines Gutachtens zitiert Professor Möller übrigens historische Fachliteratur, so zum Beispiel den Arzt Ludwig Formey von 1796: „Die Strassen in Berlin sind breit, gerade und geräumig, und gewähren nicht allein dem Auge einen schönen Anblick, sondern tragen zur Gesundheit der Einwohner viel bey, indem der Wind allerwärts streichen, die Luft erneuern und von den Ausdünstungen und Unreinigkeiten befreien kann.“ Wie gesagt, lesenswert ist das Gutachten ohne Frage – ob es tatsächlich auf andere Städte übertragbar ist, wäre zu beweisen. (ggo)