Zweifel an der Wirkung von Fahrerassistenzsystemen

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Von
  • Gernot Goppelt

Nach einem Bericht der Automobiltechnischen Zeitschrift ATZ wird die breite Einführung von Fahrerassistenzsystemen möglicherweise wenig dabei helfen, die Anzahl der Verkehrstoten in Europa zu reduzieren. Dies zeige eine Studie, die Dr. Bernd Gottselig auf dem Technischen Kongress des VDA am vergangenen Mittwoch in Ludwigsburg vorgestellt hatte. Der Manager des Automotive Safety Office bei Ford habe vorgerechnet, dass Spurhaltesysteme nur 14 Prozent der schweren Verletzungen im Straßenverkehr verhindern. Bei Notbremssystemen, die das Auffahren verhindern sollen, betrage die Quote gar nur rund 3 Prozent und bei der Totwinkelüberwachung nur 2 Prozent. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die „Unfallforschung der Versicherer“ erst im Februar für den Notbremsassistenten völlig andere Ergebnisse veröffentlicht hatte.

Gottselig hatte für seine Studie die GIDAS-Datenbank der Universitäten Hannover und Dresden genutzt, in der 9000 Realunfälle gespeichert sind. Er untersuchte die Daten darauf, ob sie durch den Einsatz der einzelnen technischen Systeme verhindert werden könnten. Kritiker bemängelten jedoch, dass diese Betrachtung weitgehend theoretisch sei, da nur ein kleiner Teil der gespeicherten Fahrzeuge mit ESP ausgestattet ist, was nicht mehr den Stand der Technik darstelle. Allerdings weist diese Kritik auf eine grundsätzliche Problematik hin, die Gottselig kaum vorzuwerfen ist: Empirische Daten auf Grundlage zukünftiger Technologien kann es nicht geben, er musste somit zwangsläufig einen theoretischen Ansatz wählen.

Dass Gottselig bei einigen Beteiligten für Unmut sorgt, kann man sich vorstellen. Denn nicht nur die EU hat ein Interesse daran, mit intelligenten Fahrerassistenzsystemen für mehr Sicherheit zu sorgen, es winkt auch ein interessanter Markt für Produkte, über deren Nutzen sich die verschiedenen Parteien durchaus nicht einig sind. Während die Wirksamkeit des elektronischen Stabilitätsprogramms ESP kaum noch in Frage steht, ist bei Unfallvermeidungssystemen wie zum Beispiel Abstandstempomaten oder Spurhaltesystemen nach wie vor umstritten, inwieweit es nicht sogar schädlich sein könnte, dem Fahrer Entscheidungen abzunehmen. (ggo)