Lotus entwickelt Zweitaktmotor mit variablem Verdichtungsverhältnis

vorlesen Druckansicht 5 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Gernot Goppelt

Lotus, Jaguar und die Universität Belfast wollen bis Januar 2009 einen neuen Versuchsmotor entwickeln, der eine Reihe exotischer Lösungen unter einen Hut bringt. Der Name Omnivore („Allesfresser“) deutet darauf hin, woran den Entwicklern vor allem gelegen ist: Der Einzylinder-Zweitakter mit Direkteinspritzung ist als Flex-Fuel-Motor ausgelegt, wird also sowohl Benzin als auch Bio-Alkohol verdauen. Ziel des Projektes ist eine Effizienzsteigerung im Alkoholbetrieb. Zu diesem Zweck soll der Versuchsträger mit einem neuen System ausgestattet werden, das ein variables Verdichtungsverhältnis ermöglicht.

Versuche, eine variable Verdichtung zu entwickeln, gab es bereits in der Vergangenheit. Denn sie erlaubt nicht nur eine Anpassung an unterschiedliche Kraftstoffe, sondern zum Beispiel auch eine angepasste Verdichtung im Teillastbetrieb bei Turboaufladung. Bisher scheiterte diese Technik an hohen Kosten oder einer zu komplizierten Mechanik – Kolben oder Zylinder müssen verschiebbar ausgelegt werden, um die Verdichtung verändern zu können.

Dass das Zweitaktprinzip wieder aufgegriffen wird, macht ebenfalls neugierig. Denn wegen der kaum zu vermeidenden Vermischung von Frischgas und Abgas beim Zweitakter sind zeitgemäße Emissionswerte heute kaum mehr zu erreichen. Mit einer Direkteinspritzung lässt sich dieser Nachteil jedoch zu einem großen Teil kompensieren, weil der Kraftstoff erst zugeführt werden muss, wenn der Auslassschlitz geschlossen ist.

Ein prominenter Vertreter der Direkteinspritzung bei Zweitaktern ist zum Beispiel die Firma Orbital, deren Technik Eingang in Serienfahrzeuge gefunden hat. So zeigte etwa der Zweitaktroller Aprilia SR 50 DI-Tech, dass auch ein Zweitakter durchaus sparsam sein kann. Immerhin könnte der einfache und kostengünstige Aufbau eines Zweitaktmotors die Mehrkosten für die variable Verdichtung kompensieren. Man darf also durchaus gespannt sein, was das britische Team nächstes Jahr präsentieren wird.

Für die Entwicklung hauptverantwortlich zeichnet Lotus Engineering, die Universität Belfast steuert ihre Ressourcen im Bereich Motor-Simulation bei, während Jaguar dem Projekt als beratender Partner zur Seite steht. Geraint Castleton-White, Entwicklungsleiter Antrieb bei Lotus Engineering, erläutert: „Im Vergleich zu Benzin bietet Alkohol aufgrund seiner physikalischen und chemischen Eigenschaften potenziell einen deutlich höheren Wirkungsgrad. Mit dem Einzylinder-Projekt werden wir ein System zur hoch effizienten Verbrennung erforschen. Dieses System optimiert die Leistung des Motors, und erlaubt so, das Potenzial von Benzin und Alkohol voll auszuschöpfen.“ (ggo)