Für Amerikas Autobauer wird das Geld immer knapper

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Von
  • Gernot Goppelt

Nach einem Bericht der New York Times haben die düsteren Aussichten für den weltweiten Autoabsatz vor allem den Aktienkursen von General Motors schwer zugesetzt. Der Aktienwert des ehemals größten Automobilherstellers der Welt sei um mehr als 31 Prozent gefallen. Auch Ford verlor am Donnerstag fast 22 Prozent, GM sie nun an der Börse nur noch 2,69 Milliarden Dollar wert, Ford noch 4,7 Milliarden. Laut Automobilwoche war eine GM-Aktie vor einem Jahr noch 40 Dollar wert, nun sind es nur noch 4,76 Dollar.

Zudem habe die Unternehmensberatung J.D. Power & Associates gestern die US-Absatzzahlen für 2008 nach unten korrigiert. Man rechne noch mit 13,6 Millionen verkauften Autos, 16 Prozent weniger als 2007, und für 2009 mit einem weiteren Rückgang auf 13,2 Millionen. Bisher war das Unternehmen von 14,2 Millionen verkauften Fahrzeugen im Jahr 2008 ausgegangen. Ähnliches erwartet man für Europa, China und Indien: Nach einem Rückgang in diesem Jahr könnte 2009 ein regelrechter Zusammenbruch folgen, meint J.D. Power-Vertreter Jeff Schuster. Während GMs Absatzzahlen in den USA dieses Jahr um 17,8 Prozent gefallen seien, fiel der Absatz auch in Europa in den erste neun Monaten des Jahres um 1,9 Prozent niedriger aus – ein Wert, der Schusters Befürchtungen allerdings nicht stützt.

Doch Analysten fürchten laut Bericht ernsthaft um die Liquidität von GM und Ford, was auch für die europäischen Töchter schwerwiegende Folgen hätte. GM „verbrenne“ jeden Monat mehr als eine Milliarde Dollar, schaffe es aber andererseits nicht mehr, den Kreditmarkt anzuzapfen. David Cole, Chef des „Center for Automotive Research“ in Ann Arbor, Michigan, sieht die Möglichkeit eines Bankrotts von GM, hält die Wahrscheinlichkeit aber für gering. GM-Sprecherin Renee Rashid-Merem sagte dazu: „Das Unternehmen konzentriert sich nach wie vor darauf, das Ruder herumzureißen und die Liquidität zu erhöhen … Konkursschutz (im Rahmen von Chapter 11) zu beantragen ist keine Option, die GM in Betracht zieht.“

Nicht ganz so schlimm sieht es wohl für die deutsche Autobauer aus, obwohl Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen fürchtet, das bei ihnen bis zu 20.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Das sagte er der Berliner Zeitung. Die Forderungen nach staatlichen Interventionen lehnt er jedoch ab. „Die Hersteller in Deutschland sind auch ohne staatliche Hilfen in der Lage, diese schwierige Situation einigermaßen zu überbrücken. In Amerika sieht die Situation anders aus. Dort sind General Motors, Ford und Chrysler ohne öffentliche Mittel nicht mehr zu retten. Ihnen droht der Konkurs.“

Sollte dies eintreten, könnte man es nüchtern als Teil einer Marktbereinigung betrachten. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist in den USA allerdings relativ gering, da sich ein Unternehmen bei Insolvenz nach Chapter 11 unter gerichtlichem Schutz neu organisieren kann und in dieser Zeit vor Gläubigeransprüchen geschützt ist. Der Begriff „Gläubigerschutz“ hat dabei eine ungewohnte Bedeutung: Während in den USA das Unternehmen vor seinen Gläubigern geschützt wird, meint man im Deutschen das Gegenteil. Insofern lassen sich Forderungen aus der europäischen Automobilindustrie nach staatlichen Hilfen zumindest verstehen – denn das geduldige Gesundpäppeln wirtschaftlich schwacher Unternehmen unter Chapter 11 verzerrt den Wettbewerb mit den noch Gesunden. (ggo)