Auch Österreich führt eine Abwrackprämie ein
- ssu
Auch in Österreich sollen Privatleute mittels einer Prämie zum Kauf neuer Autos animiert werden. 1500 Euro erhält, wer einen mindestens 13 Jahre alten Pkw verschrotten lässt und einen Neuwagen kauft, der mindestens die Schadstoffnorm Euro 4 erfüllt. Die Aktion ist befristet auf den Zeitraum vom 1. April bis zum 31. Dezember 2009. Maximal werden 30.000 so genannte Ökoprämien gewährt – dies entspricht gut 10 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Österreich im vergangenen Jahr.
Die vom österreichischen Wirtschaftsministerium am vergangenen Freitag veröffentlichten Voraussetzungen für die Prämienzahlung ähneln den Regelungen der deutschen Abwrackprämie – wenngleich die Prämie in Deutschland höher ausfällt und bereits für neun Jahre alte Pkw gewährt wird. Bei der Finanzierung geht die Alpenrepublik einen anderen Weg: Die Mittel von insgesamt 45 Millionen Euro für die Verschrottungsprämie werden je zur Hälfte vom österreichischen Fiskus und zur anderen Hälfte durch Autohandel und Importeure aufgebracht. Neuwagenkäufer erhalten die Prämie aber in voller Höhe durch das Finanzamt ausgezahlt, nachdem die erforderlichen Nachweise vorliegen. Einmal im Monat müssen die Händler ihren Prämienanteil an den Fiskus abführen, berichten die Oberösterreichischen Nachrichten. Im österreichischen Pkw-Bestand von 4,35 Millionen Fahrzeugen seien mehr als 1,1 Millionen älter als 13 Jahre .
Antragsberechtigt sind "natürliche Personen" (Privatkunden), die zuletzt das Altfahrzeug über die Dauer von mindestens einem Jahr auf ihren Namen in Österreich zugelassen hatten. Beim Altwagen muss es sich um einen Pkw mit Erstzulassungsdatum vor dem 1. Januar 1996 handeln, der fahrtauglich ist. Für "Unfallwracks" werde die Prämie nicht gewährt, betont das österreichische Wirtschaftsministerium.
Das Neufahrzeug muss ein Pkw gemäß dem österreichsichen Kraftfahrgesetz sein, der zum ersten Mal und in Österreich auf den private Endkunden zugelassen wird. Entscheidend für die Prämienzahlung sei die Personenidentität zwischen Altfahrzeughalter und dem Zulasser des Neuwagens, heißt es in der Mitteilung des Wirtschaftsministeriums. Laut dem Automobilclub ARBÖ besteht auch beim Kauf eines Vorführwagens Anspruch auf die Prämie.
Die österreichische Bundesregierung hofft, dass die Verschrottungsprämie bis zu 300.000 Arbeitsplätze bei den einheimischen Autozulieferern und dem Autohandel sichert. Rund 85 Prozent aller in Österreich zugelassenen Autos würden in der EU produziert, und Österreichs Zulieferer belieferten großteils Autofertiger in der EU, heißt es zur Begründung. Laut einer Übersicht der Wiener Presse stammen sieben der zehn beliebtesten österreichischen Neuzulassungen 2008 aus dem VW-Konzern: Mit weitem Abstand rangierte der Golf (17.589 Neuzulassungen) vor Skoda Fabia, Audi A4 und VW Polo (jeweils rund 8000 Erstzulassungen).
Im Übrigen werden auch in Österreich komplette Autos in Serie gefertigt, wenn auch für ausländische Marken. Beispiele sind Magna Steyr in Graz, wo unter anderem der BMX X3 gebaut wird und die künftige Generation des Porsche Boxster ab 2012 vom Band rollen soll, sowie die GM-Fabrik in Wien-Aspern.
Mit Kritik an der Abwrackprämie, die "ökologisch und innovatorisch" "praktisch nichts" bringe, zitiert die Presse den Verkehrsexperten Wilfried Puwein vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo). Der Bonus führe nur zu einer "marginalen" Steigerung der Nachfrage. Es werde zu Kaufzurückhaltung bis April und Vorziehkäufen im Dezember kommen. "Jetzt und Anfang 2010 fehlt diese Nachfrage", prognostiziert der Ökonom, der zudem nicht damit rechnet, dass das Maximum von 30.000 verfügbaren Prämien abgerufen wird. (ssu)