Bericht: Smart-Familie bekommt Zuwachs

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Von
  • Gernot Goppelt

Nach einem Bericht des Handelsblatts arbeitet Daimler an neuen Modellen unter der Marke Smart. Demnach hätten die Ingenieure bereits die Arbeit an dem Projekt aufgenommen. Entwicklungsvorstand Thomas Weber hatte schon im Januar gegenüber der Zeitung gesagt: „Sollten wir beim Smart über neue Modelle nachdenken, dann muss es ein intelligentes und einzigartiges Konzept sein – ein echter Smart eben“. Noch vor wenigen Jahren hätte ein solcher Satz wie eine Durchhalteparole geklungen. Laut Handelsblatt machte Daimler mit der Tochter allein zwischen 2003 und 2006 einen Verlust von 3,9 Milliarden Euro. Nachdem das zweisitzige Urmodell nach einigen Geburtswehen 1997 auf den Markt kam, folgte 2003 der Smart Roadster, der bereits nach knapp über zwei Jahren wieder vom Markt genommen wurde. 2004 brachte der Hersteller den Forfour auf den Markt, einen technisch ziemlich konventionellen Viertürer, der zusammen mit dem Mitsubishi Colt vom Band lief. Auch für ihn war nach gut zwei Jahren Schluss.

Der Smart Fortwo und mit ihm die gesamte Marke stand auch weiterhin auf der Kippe. Erst 2006 entschied sich Daimler, damals noch DaimlerChrysler, an der Marke festzuhalten. Bei Einführung des kleinen Zweisitzers in den USA Anfang 2008 hatte Daimler dann unerwarteten Erfolg: Die plötzlich rapide steigenden Kraftstoffpreise jagten den Amerikanern einen nachhaltigen Schrecken ein. Schnell zeigte sich, dass der Smart entgegen dem allgemeinen Trend in den USA zum Verkaufserfolg wird. Zum zehnjährigen Jubiläum der Marke konnte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche zufrieden zeigen: „Wenn wir ihn nicht vor zehn Jahren erfunden hätten, müssten wir ihn heute erfinden.“

Während Mercedes in den USA im Januar 2009 nur rund 10.400 Pkw (statt gut 18.300 im Januar 2008) verkaufte, konnte Smart bereits 1776 Fahrzeuge absetzen – schon 641 Exemplare beim Start Anfang 2008 waren kein schlechtes Ergebnis gewesen. Somit beträgt der hausinterne Anteil in den USA bereits fast 20 Prozent. Auch die deutschen Zulassungszahlen zeigen seit Monaten einen deutlichen Trend hin zu Kleinstwagen. Die Industrie mag es schmerzen, doch das Signal ist deutlich: Mit kleinen Autos lässt sich zwar schwer Geld verdienen, aber ohne sie auf Dauer erst recht nicht.

Wenn Technikchef Thomas Weber von einem „echten Smart“ redet, wird er keinen Nachfolger für den Forfour meinen, ein Konzept wie der Roadster scheint dagegen für die kommenden Jahre nicht unplausibel. Er war wie der Fortwo schlicht zu früh dran. Doch die Vorzeichen haben sich geändert: An dauerhaft niedrige Spritpreise glaubt keiner mehr – zukünftige Autos dürfen zwar Spaß machen, haben aber sparsam zu sein. Daimler hat mit dem Smart bewiesen, dass sich Querdenken doch auszahlen kann, vielleicht ist der Markt nun tatsächlich reif für neue Ideen. Ende Januar hatte Dieter Zetsche 2009 als ein „Darwin-Jahr“ für die Automobilindustrie bezeichnet, viel Zeit für Entscheidungen kann man sich also nicht mehr lassen. (ggo)