Bidirektionales Laden: Audi und Hager verbinden E-Auto und Haus

E-Auto und Haus versorgen sich gegenseitig – je nach Stromangebot. Das skalierbare Prinzip kann Überschussstrom aus Erneuerbaren Energien nutzbar machen.

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Bidirektionales Laden: Audi und Hager verbinden E-Auto und Wohnimmobile

Schwarmresilienz fürs Netz ist noch ein Fernziel. Audi will es zunächst seinen Kunden mit finanziellen Vorteilen schmackhaft machen.

(Bild: Audi)

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Audi und die Hager Group haben getestet, wie sich Elektroauto und Wohnimmobilie gut verknüpfen lassen. Der Versuch sei geglückt, berichten der Autohersteller und der Spezialist für elektrotechnische Installationen für Gebäude.

Die Japaner entwickeln es schon länger und bieten bidirektionales Laden bereits in einigen E-Autos an. Dass die Deutschen das im Prinzip fertig entwickelte Thema später aufgreifen und das auch unter einer anderen Perspektive, hat mit unterschiedlichen Voraussetzungen zu tun: Japan muss jederzeit mit Unterbrechungen des Stromnetzes durch Erdbeben oder Stürme rechnen. Der Tsunami von 2011 hat im japanischen Fukushima sogar zu einer Kernschmelze in einem thermonuklearen Kraftwerk geführt, was die ohnehin begonnene deutsche Energiewende deutlich beschleunigte.

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Mit oder ohne Ausstieg aus der Atomkraft: In Europa wird das Stromnetz wegen der Umstellung der Stromgewinnung in seiner bisher bekannten Form erst langsam, aber doch immer stärker gefordert durch die stetig steigende Einspeisung von Strom aus Wind- und Sonnenenergie. Ein Beitrag von vielen zur Lösung des Problems kann das bidirektionale Laden beisteuern.

Immerhin haben die Japaner das Ganze serienreif, nachdem es Nissan 2014 angekündigt und Mitsubishi als erster Autoproduzent mit einem fertigen Produkt am Start hat. Auch bei uns gibt es schon Bidirektionales Laden zum Nachrüsten. Die bidirektionale Ladebox will TR-Redakteurin Jo Schilling für ihren Nissan Leaf ausprobieren. Sie soll demnächst installiert werden.

Bidirektionales Laden: Audi und Hager verbinden E-Auto und Wohnimmobile (7 Bilder)

"Bidirektional" bedeutet, der Strom kann bei eingestecktem Kabel in beide Richtungen fließen.
(Bild: Audi)

Audi und Hager arbeiten zunächst an der Einbindung des Elektroautos in das häusliche Stromnetz unter besonderer Berücksichtigung der Photovoltaik (PV). Noch ist das nur ein Thema für die, die eine eigene Liegenschaft und eine PV-Anlage besitzen, aber es ist immerhin ein Anfang. Die Idee: Bei eigener Erzeugung kann überschüssiger PV-Strom im Auto zwischengespeichert und bei Bedarf abgegeben werden.

Das Prinzip ist sinnvoll auf größere Dimensionen skalierbar: Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung im Gesamtnetz wachsen die Überschüsse, aber auch Zeiten niedriger Energieerzeugung und damit die Herausforderung, die Stromerzeugung zu stabilisieren. So kann an langen, sonnigen Tagen oder in Starkwindphasen so viel Energie zur Verfügung stehen, dass die Strommenge weder gleichzeitig abgenommen noch gespeichert werden kann. Bereits heute lassen sich an manchen Tagen große regenerativ erzeugte Strommengen mangels Speichermöglichkeiten nicht mehr zwischenlagern. Einen stetig wachsenden potenziellen Speicherpool stellen gleichzeitig die Akkus der Elektroautos dar. Wie alle Autos stehen sie die meiste Zeit und sind häufig über ein Ladekabel mit dem Stromnetz verbunden.