Autonome Meerespatrouille in Down Under

Das autonome Bluebottle ist so kompakt, dass es sich einfach zu Wasser lassen lässt.

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(Bild: Ocius)

Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Das fünf Meter lange blaue Boot sieht auf den ersten Blick wie ein überdimensionales Spielzeug aus. Doch das unbemannte Wasserfahrzeug hat einen ernsten Auftrag. Es soll in australischen Hoheitsgewässern autonom patrouillieren, dabei Häfen und Ölplattformen schützen, feindliche U-Boote aufspüren und nicht autorisierte Flüchtlingsboote lokalisieren. Für den Bau von vier weiteren Roboterbooten sicherte sich das in Sydney angesiedelte Unternehmen Ocius Technology im Juni einen Auftrag des australischen Verteidigungsministeriums im Wert von 5,5 Millionen australischen Dollar (3,4 Millionen Euro).

Ocius-Geschäftsführer Robert Dane sieht unbemannte Boote als günstige Alternative zu den mehrere Millionen australische Dollar teuren bemannten Küstenschutzschiffen. Seine Bluebottles werden nur von Sonne, Wind und Wellen angetrieben. Den Wind nutzt das Boot über das starre Segel. Die Wellen bewegen eine passive Unterwasserflosse am Heck auf und ab, diese Bewegung wird dann in Strom umgewandelt. Hinzu kommen Photovoltaik-Paneele auf dem Segel und dem Deck.

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Batterien mit einer Kapazität von je 14 Kilowattstunden speichern den Strom. Bei durchschnittlich acht Stunden Sonneneinstrahlung pro Tag erzeugen die Paneele 4,8 Kilowattstunden Strom pro Tag, sagt Dane. Das liefert rund um die Uhr 200 Watt Leistung pro Stunde für die Meeresroboter. Sie wiegen je nach Modell 600 bis 750 Kilogramm inklusive Sensoren und Messgeräten, Kameras und Kommunikationssystem, Sonar und Radar sowie Ruder und Schiffsschraube. Mit all diesen Geräten ließen sich auch Wetter- und Tierbeobachtungen durchführen, sie dürften aber vor allem im Grenzschutz gefragt sein.

Die Schiffsschraube treibt das Boot bei Flaute an und hilft dabei, „auch in Strömungen zu navigieren und sie bei Bedarf zu verlassen“, sagt Dane. Bluebottles können bei Gegenwind automatisiert zu einer vorgegebenen Stelle kreuzen. Der Bordcomputer berechnet die geeigneten Wendepunkte und -winkel, um das Ziel auch gegen den Wind zu erreichen. Dabei erkennen sie Boote und andere Hindernisse und weichen ihnen aus. Neben der Überprüfung des automatischen Identifikationssystems und Mikrofonen für Schiffshornsignale identifiziert ein 360-Grad-Kamerasystem weit entfernte Objekte mithilfe von künstlicher Intelligenz und entscheidet, wann es den Grenzschutz benachrichtigt. Um etwa U-Boote akustisch aufzuspüren, lässt der Bluebottle über eine Heck-Seilwinde ein Sonargerät in verschiedene Tiefen herunter.

Die erste längere Testfahrt von knapp 200 Kilometern absolvierte das Boot von Botany Bay in Sydney nach Ulladulla Harbour in New South Wales. Im Vergleich zu anderen unbemannten, autonomen Booten wie dem Sharc Wave Glider von Liquid Robotics schaffe Bluebottle statt nur ein bis zwei Knoten sogar fünf (9,26 km/h), so Dane. Wird das Wetter ungemütlicher als die von Bluebottle vertragene „Sea State 5“-Lage – Windgeschwindigkeiten von bis zu 21 Knoten (knapp 39 km/h) und zwei Meter hohe Wellen –, macht sich Bluebottle klein: Es faltet das Segel zusammen und zieht die Seilwinde ein. „Wir haben es noch nicht ausprobiert, aber im Falle eines Hurrikans faltet sich Bluebottle zur Korkenform zusammen und benutzt das Ruder als ‚See-Anker‘, um den Bug im Wasser zu halten“, erklärt Dane.

Namensgeber der Boote war die blau schimmernde Staatsqualle Portugiesische Galeere (Physalia physalis). Die Australier nennen sie Bluebottle. Sie ist eigentlich eine Kolonie aus Polypen, schwimmt an der Meeresoberfläche und richtet bei Wind ein kammähnliches Segel zur Fortbewegung auf. Mit ihren bis zu 50 Metern langen und mit Nesselzellen besetzten Fangarmen tötet sie kleine Beutetiere wie Fische. Sie kann aber auch bei Menschen schmerzhafte Quaddeln verursachen.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisierten den Patrouillen-Einsatz der Robo-Boote, weil sie die australische Politik, Flüchtlingsboote nicht an Land zu lassen, weiter verschärfen würden.

(bsc)