Studie: Autobranche erholt sich schneller als gedacht
Der weltweite Autoabsatz lag im Sommer 2020 nur noch knapp unter dem Vorjahresniveau. Die Frage bleibt allerdings, wie nachhaltig die Erholung ist.
Die aktuellen Ausgangsbeschränkungen dürften vielen Autohäusern schwer zu schaffen machen.
(Bild: BMW Reisacher)
- dpa
Die weltweite Autobranche ist einer Studie des Beratungsunternehmens EY zufolge zwischen Anfang Juli und Ende September 2020 beim Umsatz und beim Autoabsatz schon wieder nah an das Niveau des Vorjahres gekommen. In beiden Kategorien seien die global 17 größten Autohersteller im dritten Quartal zusammengerechnet nur um je fünf Prozent unter den Werten des gleichen Zeitraums im Jahr 2019 geblieben, hieß es in der Analyse. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2020 war das eine deutliche Steigerung.
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Von April bis Juni 2020 hatten die Autokonzerne angesichts der sich ausbreitenden Corona-Pandemie, weltweiten Grenzschließungen und zusammenbrechenden Lieferketten noch teils Milliardenverluste angehäuft; nur sechs der 17 größten Hersteller hatten keine roten Zahlen verbucht. Im Sommer zog das Geschäft dann aber deutlich an, laut EY im Schnitt im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Der Umsatz der Top-Autokonzerne stieg im dritten Quartal verglichen mit dem Vorquartal um 53 Prozent, der Neuwagenabsatz kletterte um 46 Prozent.
Kaum nachhaltig
Ob die Belebung auf dem Automarkt nachhaltig ist, bleibt allerdings als fraglich. Neue Corona-Beschränkungen in diesen Tagen in vielen Ländern der Welt dürften sich negativ auf die gesamte Wirtschaft und damit auch auf den Autosektor auswirken, vermuten Ökonomen. EY-Autoexperte Constantin Gall zeigt sich ebenfalls skeptisch und befürchtet erneut starke Einbußen für die Autohersteller. "Die Lage verschlechtert sich in den meisten großen Märkten, es gibt wieder teils massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die Pkw-Verkäufe gehen derzeit deutlich zurück."
EY schätzt zwar, dass eine neuerliche Unterbrechung der Lieferketten und ein Stillstand der Produktion wie im Frühjahr in diesen Tagen nicht zu erwarten sei. Doch wenn der Neuwagenabsatz ganz oder teilweise zum Erliegen komme, werde ein nochmaliger branchenweiter Milliarden-Gewinneinbruch im vierten Quartal kaum zu vermeiden sein. Als Hoffnungsträger erweise sich immerhin der chinesische Absatzmarkt, der sich anhaltend positiv entwickle.
China als Stützpfeiler
Schon im dritten Quartal war China der wichtigste Stützpfeiler der Autobranche, gerade für die großen deutschen Hersteller VW, Daimler und BMW. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Autohersteller sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 35,7 auf 39,2 Prozent gewachsen, hieß es in der Analyse.
(mfz)