E-Autos von BMW: Mit Solar-Aluminium gegen den großen CO2-Rucksack
Damit ein E-Auto nicht zu schwer wird, setzt man mehr Leichtmetall ein als in einem konventionellen. Das soll bei BMW nun mit Sonnenenergie erzeugt werden.
Der Solarpark Mohammed Bin Rashid Al Maktoum
(Bild: DEWA)
Leichtbau ist in Autos ein wichtiger Faktor zur Energieeffizienz. Sie senken den CO2-Ausstoß während seiner Nutzungsdauer. Gleichzeitig ist Leichtbau bis heute undenkbar ohne einen hohen Anteil an Aluminium. In Elektroautos steigt er durch den verstärkten Einsatz von Strukturbauteilen für die Fahrzeugkarosserie und nicht zuletzt auch für die Batteriezellen stark an.
CO2-Rucksack durch Leichtbau verkleinern
Die Herstellung dieses Leichtmetalls jedoch erfordert einen hohen Energieeinsatz. Heute werden je produzierter Tonne Primäraluminium rund 15.700 kWh elektrische Energie benötigt. Im derzeitigen Strommix Deutschlands wären das rund 6,3 Tonnen bei 401 Gramm CO2 je erzeugter kWh. Der Energiemix für die Aluminiumherstellung senkt die CO2-Emission zwar dank eines höheren Anteils an Wasserkraft und Kernenergie, doch der CO2-Rucksack für das fertig produzierte Auto wird (selbst unter Einbeziehung des Recyclinganteils beim Leichtmetall) in jedem Fall schwerer, je höher der Alu-Anteil ist.
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BMW sagt, bei seinen Elektroautos würden dadurch "ohne Gegenmaßnahmen die CO2-Emissionen je Fahrzeug in der Lieferkette der BMW Group bis 2030 um mehr als ein Drittel steigen". BMW sucht daher Wege, die CO2-Emissionen in seinem Lieferantennetzwerk bis 2030 um 20 Prozent zu senken.
Der Energiemix entstand eher zufällig
Schon wegen der Stromkosten und der Leitungsverluste beim Stromtransport versucht man, die Energieerzeugung so nah wie möglich an die Aluminiumverhüttung zu bringen. Das führt zu einem Energiemix für die Stromerzeugung mit den Hauptenergiequellen Wasser, Kernspaltung, Kohle und Erdgas.
BMW will mit Solar-Aluminium CO2-Rucksack seiner E-Autos verkleinern (7 Bilder)

(Bild: Emirates Global Aluminium)
Öffentlichkeitswirksam stellt BMW nun ein Projekt vor, das Aluminium mit Solarstrom erzeugen soll. Auch hier gilt das Prinzip der Erzeugung nahe der Stromproduktion und die ist am effizientesten in möglichst wolkenarmen Gebieten. Das neue Werk entsteht in den praktisch ganzjährig bedeckungsfreien Vereinigten Arabischen Emiraten in der Nähe von Dubai.
Erste kommerzielle Produktion von Solar-Aluminium
Gebaut und betrieben von Emirates Global Aluminium (EGA), das als erstes Unternehmen der Welt auch Solarstrom für die kommerzielle Produktion von Aluminium einsetzt. Der Strom "für die Produktion des für die BMW Group bestimmten Aluminiums" kommt aus dem nahegelegenen Solarpark Mohammed Bin Rashid Al Maktoum.
Nachdem die Emirate über Jahrzehnte zu den bedeutendsten Energielieferanten dank fast unermesslich großer Erdölreserven zählten, ist für sie angesichts der weltweiten Dekarbonisierungsbestrebungen ein Wechsel überlebenswichtig. Man stellt daher auf die andere Ressource um, die man im Überfluss hat: Sonnenenergie. Diese Art der Energiegewinnung wird von der Regierung derzeit kräftig gefördert.
Batteriezellfertigung mit Grünstrom
Die Menge des aus den Emiraten zugelieferten Primäraluminiums liegt zur Zeit bei 43.000 Tonnen. So deckt der Bezug des Solar-Aluminiums nahezu die Hälfte des jährlichen Bedarfs der Leichtmetallgießerei im Werk Landshut ab, wie BMW schreibt. Auch andere Lieferketten für die E-Autos sollen dekarbonisiert werden: So sei mit den Lieferanten für die Batteriezellen der aktuellen, fünften Generation fest vereinbart, zu ihrer Produktion ausschließlich Grünstrom zu verwenden.
(fpi)