Gespeichert wird im Netz
Durch immer mehr, billigeren und schnelleren Online-Speicher sollen die klassischen Haupt- und Massenspeicher in den Geräten beim Anwender neue Aufgaben bekommen, spekuliert man in Japan.
Durch immer mehr, billigeren und schnelleren Online-Speicher sollen die klassischen Haupt- und Massenspeicher in den Geräten beim Anwender neue Aufgaben bekommen, spekuliert man in Japan.
So werde laut Nikkei Electronics Asia die Festplatte im PC etwa künftig nur noch die Funktion eines Cache haben, also eines schnellen lokalen Zwischenspeichers. Und wo der gar nicht gebraucht wird, weil die Netzanbindung schnell genug ist, kommt man auch ganz ohne Platte aus. In Mobilgeräten werde der lokale Speicher ebenfalls als Cache, in der Hauptsache aber als Organisationsverzeichnis für all die online gespeicherten Datenmengen benutzt.
Ist also womöglich nicht nur das Ende der Floppy im PC, sondern auch das der Festplatte besiegelt? Im Gegenteil, die Speicherhersteller müssen sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen: Die Visionen setzen darauf, dass man wirklich alle Daten, also auch den gesamten Bestand an Audio- und Video-Daten, im Netz unterbringt, um sie dann überall und schnell im Zugriff zu haben – und gleichzeitig unter der Obhut eines Speicherspezialisten zu wissen, der für ihre Sicherheit sorgt.
Angesichts dieser beachtlichen Speichermengen, die es zu verwalten und zu cachen gilt, seien denn auch alle Bestrebungen und Forschungen, mehr, billigeren, schnellen und nichtflüchtigen Speicher auch in den Endgeräten bereit zu stellen, dringend notwendig, gleich ob per Festplatte, FeRAM, FRAM, MRAM oder optische Verfahren. Allerdings liegt die Betonung auf billig, und das heißt zum Beispiel: Gerade für "appliances", also Nicht-PC-Geräte, müsste die Festplatte für 10 US-$ mit Kapazitäten im 2-stelligen Gigabyte-Bereich her. Spätestens hier aber werden sich die Speicherhersteller dann doch Sorgen machen.
Für die meisten Anwender allerdings dürfte das alles weniger visionär als vielmehr utopisch wirken. Zwar ist Online-Speicher schon heute günstig – oft genug in kleinen Portionen sogar durch Werbung quasi kostenlos, doch die hohen Verbindungskosten machen die schöne Idee zumindest in Deutschland zunichte. Und der Online-Speicherplatz könnte auch ganz schnell teuer werden, wenn diese Idee im großen Maßstab aufgegriffen würde, denn dazu sind richtig schnelle Verbindungen notwendig, denen auch die Server der Anbieter gewachsen sein müssen. Erst ab 100 MBit/s würden die meisten Anwender kaum noch einen Unterschied zwischen lokalem und Online-Speicher bemerken, heißt es. Da ist aber selbst T-DSL noch weit von entfernt, von den mobilen Diensten ganz zu schweigen.
So dĂĽrfte Intel mit seiner konkurrierenden Idee, den PC weiter zur Multi-Media-Home-Zentrale auszubauen, auf dem alle Daten fĂĽr den mobilen MP3-Player oder die Video-Kamera gespeichert werden, zumindest kurzfristig eher im Trend liegen. Das Resultat ist aber letztlich dasselbe: Massenhaft Speicher wird weiterhin gebraucht. (gr)