HP-Chefin Carly Fiorina: "Die reale Welt hat James Bond eingeholt"

In naher Zukunft schon werde die visuelle Kommunikation noch einfacher, effektvoller und nĂĽtzlicher werden, prophezeite Fiorina.

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Von
  • Erich Bonnert

Bei ihrer Keynote auf der CES in Las Vegas stellte HP-Chefin Carly Fiorina ihr vielgerühmtes rhetorisches Talent unter Beweis. Im Mittelpunkt ihrer Rede stand, nicht zufällig, das Thema Fotografie -- eines der aussichtsreichen Segmente für HP im Endverbrauchergeschäft. Im gekonnten Plauderton schlug die gelernte Historikerin einen Bogen von Zeichnungen und Bildern früherer Zeitalter über die Anfänge der Daguerreotypie bis hin zur modernen Fotografie. Schon immer hätten Bilder nicht nur Ansichten und Einsichten übermittelt, sondern vor allem Emotionen transportiert. Umso höher rangiere die heutige Fototechnik als Kulturgut, die das Ausdrücken und Mitteilen von Gefühlen für immer mehr Menschen praktikabel und erschwinglich macht, erläuterte Fiorina.

Mit der langen Einleitung gab Fiorina den Ton für ihre zentrale Botschaft vor: HPs unumstößliche Führungsrolle in der Welt der digitalen Bildbearbeitung. Der Redefluss der HP-Chefin wurde schneller und eindringlicher, als sie die umfassende Expertise des Traditionsunternehmens in allen Bereichen der Aufnahme, Speicherung und Ausgabe von Fotos schilderte. Rund 2500 Patente im Bereich Imaging hätten HPs Tüftler allein im vergangenen Jahr angemeldet. Weder Kodak noch Canon noch ein anderer Fotospezialist könne mit HPs Produktpalette mithalten, behauptete die Chefin vollmundig. Im Vorjahr war HP die Nummer 1 im US-Digitalkameramarkt.

In naher Zukunft schon werde die visuelle Kommunikation noch einfacher, effektvoller und nützlicher werden, prophezeite Fiorina. Ein Beispiel: Teilnehmer an Videokonferenzen werden sich künftig lebensechter begegnen, indem ihre Bilder gemeinsam in einen virtuellen Konferenzraum projeziert werden. "Die reale Welt hat James Bond eingeholt", sagte die 46-Jährige. "Fotoapparate samt Mobilfunkübertragung finden Platz in einem Kugelschreiber. Bilder lassen sich von überall ohne Verzögerung um die Welt schicken."

Auch eine echte Produktpremiere hatte die Konzernchefin parat: Mit der neuen Digitalkamera Photosmart 812 können die Bilder auch direkt nach der Aufnahme mit Anweisungen zur Weiterverarbeitung gespeichert werden -- zum Beispiel für den Ausdruck im Großformat oder den gezielten E-Mail-Versand an Empfänger im PC-Adressbuch. Sofort nach Ankoppeln der Kamera an den PC per USB-Kabel werden die Befehle ohne weitere Benutzereingaben ausgeführt.

Warum ein solch innovatives und dominantes Unternehmen eine von Anfang an umstrittene Fusion mit dem in die Krise geratenenen Konkurrenten Compaq anstrebt, klammerte Fiorina bis zum Ende geflissentlich aus. Die Vorstandsvorsitzende kämpft um die Genehmigung der Übernahme gegen den Widerstand wichtiger Aktionäre, insbesondere den Nachfahren der Firmengründer William Hewlett und David Packard. Beide Familien haben sich gegen die Übernahme ausgessprochen, da sie durch die geplanten Rationalisierungsmaßnahmen Entlassungen und nachteilige Veränderungen der Firmenkultur befürchten. Die Vorstandsvorsitzende schloss ihren Vortrag mit einem wohlkalkulierten Plädoyer für die Fusion. Dabei beschwor sie ausgerechnet den Geist der Firmengründer:"Bill und Dave glaubten daran, dass nur der Mut zur Veränderung Innovationen hervorbringt. Nach diesem enormen, aber notwendigen Schritt werden die HP-Mitarbeiter erst zeigen, was in ihnen steckt." (Erich Bonnert) / (jk)