Microsofts mobile Omnipräsenz

Der Redmonder Riese spinnt ein Netzwerk an Kooperationen, um den Mobilfunkmarkt mit seinen Produkten zu beglĂĽcken.

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Sprach- und Datendienste, Multimedia-Anwendungen, E-Mail und Internet-Surfen unterwegs, Wiedergabe von Audio- und Video-Aufzeichnungen: Mobiltelefone, ehedem gerade gut genug zum Sprechen und zum Verschicken kurzer Textmitteilungen, entwickeln sich zum mobilen Daten- und Kommunikationszentrum. Microsoft will vorne dabei sein und weiĂź, dass es eine fĂĽhrende Stellung auf dem vermeintlichen Zukunftsmarkt allein nicht einnehmen kann.

Deshalb zieht der Redmonder Riese einen Partner nach dem anderen ins Boot und scheint auf der 3GSM World in Cannes so omnipräsent, wie die mobilen Geräte und Applikationen zukünftig in den Händen nomadisierender Geschäftsleute, pendelnder Studenten und spielesüchtiger Schüler sein sollen. Gleich acht Mobilfunkunternehmen verbandeln sich mit Microsoft, um als Serviceanbieter eine der vier tragenden Säulen für dessen "Mobilitätsstrategie" zu bilden, wie es Microsofts Vizepräsident Ben Waldman auf der Mobilfunkmesse an der französischen Mittelmeerküste ausdrückte.

Als Teil einer weiteren Säule dient sich Texas Instruments an. Der Halbleiterhersteller entwickelte spezielle, stromsparende OMAP-Chips, die in den neuen Jornada-PDAs von Hewlett-Packard arbeiten sollen. Die Premiere des HP Jornada 928 WDA auf der 3GSM World wiederum diente gleichzeitig als Auftakt für eine neue Pocket PC 2002 Phone Edition von Microsoft. Die Plattform soll zusammen mit dem Pocket-PC-Betriebssystem drahtlose Zugriffe über Sprache und Text auf netzinterne Daten ermöglichen.

Schon vor Beginn der 3GSM World war eine Kooperation mit dem Chipriesen Intel bekannt geworden, aus der technische Konzepte für den Mobilfunkmarkt resultieren sollen. Es scheint also, als sei Microsoft beschwingt dabei, den Markt der mobilen Internet-Zugänge unter seine Fittiche zu nehmen. Die Vielzahl der Absprachen, Allianzen, Entwicklungskooperationen und anderweitiger Bündnisse weckt Ängste auf Seiten der Microsoft-Kritiker, die wie beim Betriebssystem Windows Bestrebungen für eine erneute Quasi-Monopolstellungen wittern.

Bei all den Vernetzungen, von denen immer ein Faden nach Redmond führt, könnte sich der Softwareriese aber auch zwischen den unterschiedlichen Interessen verheddern und beim Verlassen seines eHomes stolpern. Nicht zuletzt hängt der Erfolg der neuen Technik von der Akzeptanz und Erschwinglichkeit neuer Mobilfunkstandards wie UMTS ab. Bisher scheint der Mobilfunkmarkt weniger von Euphorie denn durch Verzögerungen bei der Entwicklung von Geräten und beim Netzausbau zumindest in Deutschland von Unsicherheit geprägt. (anw)