France Telecom ist unnachgiebig im Streit mit MobilCom
Das Pokern um UMTS-Investitionen und um die 42 Prozent Aktienbeteiligung von Gerhard Schmid geht weiter.
Mobilcom-Chef Gerhard Schmid hat hochfliegende Vorstellungen für die UMTS-Zukunft seines Unternehmen -- zu kostspielig, meint France-Telecom-Chef Michel Bon. Im Streit mit seinem deutschen Partner um Milliarden-Investitionen für das UMTS-Netz in Deutschland will der französische Telekommunikationskonzern nicht nachgeben. "Es gibt noch keine Einigung. Wir verhandeln weiter", sagte eine France Telecom-Sprecherin am heutigen Dienstag. Gestern gab sich hingegen ein MobilCom-Sprecher überzeugt, dass man sich im Konflikt mit dem Großaktionär wieder annähern und einigen werde.
Schmid wirft den Franzosen vor, zu wenig in den Aufbau des UMTS-Netzes zu investieren. Während MobilCom bis Ende 2003 dafür rund 1,4 Milliarden Euro plant, will France Telecom angesichts hoher Verschuldung und schwieriger Marktbedingungen die Ausgaben möglichst weit strecken.
France Telecom pokert nach Angaben von Branchenbeobachtern auch um weitere Anteile an MobilCom. Schmid hält noch rund 42 Prozent an seiner Firma; die mehrheitlich im Besitz des französischen Staates befindliche France Telecom ist über ihre Tochter Orange mit 28,5 Prozent beteiligt und hat eine Option auf Schmids Aktien, die aber erst 2003 ausgeübt werden kann. Schmid kann nach seinen Worten seinerseits jederzeit ein Drittel seiner MobilCom-Aktien an France Telecom veräußern, wenn die Franzosen ihre eingegangenen Verpflichtungen nicht einhielten.
Das Engagement von France Telecom bei MobilCom sei auf eine Summe zwischen fünf und sechs Milliarden Euro beschränkt, wenn Schmid seinen Anteil verkaufen wolle, schrieb die französische Tageszeitung "Le Figaro" mit Berufung auf unternehmensnahe Informanten. France Telecom dränge darauf, zur Kostenverringerung die Netze und technischen Infrastrukturen mit anderen Betreibern zu teilen. An der Börse sackte der Kurs von France Telecom am Dienstag zwischenzeitlich um 2,7 Prozent auf 28,90 Euro ab. Marktbeobachter befürchten ein weiteres Anwachsen der schweren Schuldenlast, die Mitte vergangenen Jahres bei 65 Milliarden Euro lag. (dpa) / (anw)